Ein gereifter Klangkörper in der Christuskirche

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Glänzend aufgelegt präsentierte sich das Vokalensemble in der Christuskirche.

Lüdenscheid - Sergej Tanajews herrlich verhangene „Serenade“ als Zugabe markierte das Ende eines denkwürdigen Konzertes am Samstag in der Christuskirche. Es sangen und musizierten an diesem Abend das Lüdenscheider Vokalensemble sowie die Solistinnen Anna Mjassojedowa (Orgel) und Petra König-Gurian (Sopran) unter der Leitung des Kreiskantors Dmitri Grigoriev.

Der schlichte Titel des Konzertes, „Russische Chor-Lyrik“, ließ vermuten, wohin die Richtung geht, keinesfalls aber erahnen, welches Niveau dabei erzielt werden kann. Eine gewaltige Hürde stellte der Beginn des Konzertes, die „Missa festiva“ (1937) für gemischten Chor und Orgel von Alexandre Gretschaninoff dar. Mit diesem Werk errang Gretschaninoff im Jahre 1937 beim kirchenmusikalischen Wettbewerb in Paris viel Ruhm. Dort fand auch in Notre-Dame die Uraufführung statt.

Die Missa geriet dank eines glänzend eingestimmten Vokalensembles zu einem grandiosen musikalischen Bekenntnis auf der Basis russisch-orthodoxer Melodik, angelehnt in der Form katholischer Messe. Hier musste der Chor dynamische Turbulenzen überstehen und bewältigte dies meisterlich. Zudem galt es, auch in der Chorlinie eigenwillige wie charakteristische Harmonik zu stemmen, eine saubere Sekund zu präsentieren und Klangfarbe zu bieten. Da dies alles federleicht gelang und der Chor sich auch im weiteren Verlauf dieses Abends als gereifter Klangkörper präsentierte, konnte das Konzert am Ende als denkwürdiges Ereignis gesehen werden.

Deutlich hörbar wurde dabei die Handschrift des Chorleiters, der fordert, um zu fördern. A Cappella stellte sich das Vokalensemble Werken von Igor Strawinsky, Sergej Tanajew, Juri Falik und Oleg Jantschenko. Hinreißend gerieten die deutsche Uraufführung von Nikolaj Romanoffs „Widmungen“ über Gedichte von Marina Zwetajewa wie auch Dmitri Grigorievs „Pater noster“. Strahlend aufgelegt präsentierte sich an diesem Abend Sopranistin Petra König-Gurian. Die überzeugende Organistin Anna Mjassojedowa brachte den Zuhörern unter anderem Wjaceslav Karatygins Präludium und Fuge „à la russe“ näher. - usc

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