„Völlig geschockt und am Boden zerstört“

LÜDENSCHEID ▪ „Wir sind von den Entwicklungen vollkommen geschockt, und auch unsere Familien sind restlos am Boden zerstört.“ Die gekündigten Caritas-Obdachlosenberater Thomas Becker und Ulrich Birkner haben gemeinsam eine öffentliche Erklärung abgegeben, obwohl „wir das alles selber nicht verstehen.“ Es sei ihnen aber wichtig, „dass sowohl unsere Befürworter als auch unsere Kritiker wissen, dass wir unserer Kenntnis nach kein Verhalten gezeigt haben, das diesen Schritt rechtfertigen könnte.

Wir haben 18 und 23 Dienstjahre ohne schriftliche Ermahnung, Abmahnung oder Androhung einer Kündigung beim Caritasverband in Lüdenscheid gearbeitet. Auch jetzt haben wir kein Mitarbeitergespräch, keine Ermahnung oder Abmahnung bekommen.“ Der Caritasverband als Dienstherr habe ihnen gegenüber nicht im Entferntesten erkennen lassen, dass sie möglicherweise ein problematisches Arbeitsverhalten an den Tag gelegt hätten, betonen Birkner und Becker.

Aus ihrer Sicht stellt sich die Entwicklung folgendermaßen dar:

„Am 24. Januar wurden wir schriftlich zu einer Stellungnahme über unsere Eintragungen auf dem Stundenzettel gebeten. Hier sind nach der Ansicht des Vorsitzenden des Caritasverbandes, Herrn H.W. Wolff, fehlerhafte Eintragungen (vorgeworfen werden uns drei Verfehlungen) vorgenommen worden. Wir bekamen eine Frist bis zum 28. Januar gesetzt, in der wir die Möglichkeit der schriftlichen Stellungnahme bekamen. Dieser Aufforderung kamen wir pflichtgemäß nach, und der Sachverhalt war für uns insoweit geklärt, da keine Rückfragen gestellt wurden oder ein weiterer Gesprächsbedarf bestand. Am Dienstag, den 1. Februar, tagte der Caritasrat, in dem wohl beschlossen wurde, dass am Mittwoch die Mitarbeitervertretung gehört werden soll. Diese teilte dann am Mittwoch, 2. Februar, Thomas Becker mit, dass die außerordentliche Kündigung für beide Mitarbeiter ausgesprochen wurde. Ulrich Birkner, der seinen Resturlaub aus 2010 in Österreich nahm, wurde in Kenntnis gesetzt und brach daraufhin seinen Urlaub umgehend ab.“

Offiziell habe der Vorsitzende des Caritasverbandes bis heute kein Gespräch mit den beiden gesucht, obwohl ausreichend Möglichkeit dazu bestanden habe. Am 7. Februar sei die außerordentliche Kündigung durch Herrn Wolff und eine Kollegin zugestellt worden, indem die Kündigung in den Briefkasten gesteckt worden sei.

„Wir werden uns jetzt dem Arbeitsamt vorstellig machen, da wir kein Gehalt mehr bekommen. Wir würden gerne in unseren alten Wirkungskreis zurückkehren und das gerade erlebte Trauma verarbeiten. Wir sind der Meinung, dass wir keine Verfehlung begangen haben, die einen solchen Schritt rechtfertigen würde. Darüber jedoch haben demnächst andere zu befinden.“

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