Musterkarten von „Fahnen-Assmann“

Virtuelles Museum: Entwürfe für kunstvolle Fahnen

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Heute im Virtuellen Museum: Fahnen-Entwürfe der Firma Assmann.

Lüdenscheid - Um regelrechte Kunstwerke bereichern wir heute unser Virtuelles Museum – und das, obwohl es sich bei den Objekten eigentlich „nur“ um Muster beziehungsweise Entwürfe handelt.

Wolfgang Assmann, damaliger Inhaber der Firma F.W. Julius Assmann, übergab dem Geschichtsmuseum vor einiger Zeit eine große Kollektion an Fahnenentwürfen. Sie waren über viele Jahrzehnte in der Firma aufbewahrt worden, um nach ihren Vorgaben in kunstvoller Handarbeit Fahnen fertigen zu können.

Als sie dafür nicht mehr gebraucht wurden, wurden sie als wertvolles historisches Kulturgut Teil der Sammlung der Museen. Die Entwürfe zeichnen sich durch eine hohe Detailgenauigkeit und kräftige Farbgebung aus und dokumentieren eine ungeheure Vielfalt der Bereiche im gesamten gesellschaftlichen Leben, in denen Fahnen im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine große Rolle spielten.

Es gibt Vorlagen für den „Artillerie-Verein 1886 in Stadt und Amt Lüdenscheid“, für den „Turn-Verein Jahn Lüdenscheid 1892“, aber auch vom „Elmshorner Männer Turnverein 1893“ oder dem „Bürger-Verein Neustadt Südertheil von 1884“. Denn die Fahnenfabrik F.W. Julius Assmann erhielt Aufträge aus ganz Deutschland und dem Ausland.

Hoflieferant der Kaiserin

Empfehlungsschreiben des bekannten evangelischen Sozialreformers Friedrich von Bodelschwingh aus dem Jahr 1892 und des Sekretärs von Kaiserin Auguste Viktoria zwei Jahre später zeigen, welche Bedeutung das Unternehmen hatte und wie breit Fahnen in der Gesellschaft verankert waren.

Alle Entwürfe sind mit einem Firmensiegel versehen, auf dem steht: „F.W. Jul. Assmann, Fabrikant, Hoflieferant Ihrer Majestät der Kaiserin u. Königin“. Die Firmengeschichte begann damit, dass Julius Assmann sen. (1836-1914), der älteste Sohn des Lüdenscheider Knopffabrikanten F.W. Assmann (Inhaber der Firma F.W. Assmann und Söhne), 1890 eine Hamburger Fahnenfabrik für seinen Sohn, F. W. Julius Assmann jun. (1869-1942) aufkaufte.

Der Hauptsitz war an der Hochstraße 53 in Lüdenscheid. Hauptzweck der neugegründeten Firma war der Vertrieb von Artikeln des evangelischen Kirchenbedarfs. Aber das in Hamburg übernommene Unternehmen C. G. Ulrich Nachf. fertigte Stickereien in Gold, Silber und Seide für Armee, Marine und Beamte, Kirchen-Paramente, Fahnen und Banner. Ihre Geschichte geht bis in das Jahr 1680 zurück. Im Briefkopf nannte sie sich selbst „erste deutsche Tressenfabrik und Kunststickerei“.

Infolge einer Cholera-Epidemie in Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts verlegte Assmann das Unternehmen komplett nach Lüdenscheid. Ab 1900 gab es auch eine Filiale in Berlin. Um den Unterschied zur Knopffabrik Assmann zu betonen, wurde das Unternehmen von Friedrich Wilhelm Julius Assmann schon früh „Fahnen-Assmann“ genannt. Detaillierter beschrieben ist die Firmengeschichte in dem Buch „Fahne und Verein. Lüdenscheider Vereine und ihre Fahnen von den Anfängen bis 1933“, herausgegeben von Dr. Eckhard Trox.

In kunstvoller Handarbeit gefertigt

Die Hochkonjunktur der Fahnenproduktion lag in den 1930er-Jahren, als Fahnen in der NS-Zeit zum Massenartikel wurden. Aber historisch interessant ist vor allem die Zeit davor, als Fahnen in der Regel Einzelbestellungen waren und in kunstvoller Handarbeit eben nach solchen Entwürfen, wie den hier vorgelegten, gefertigt wurden.

 Jede einzelne war ein regelrechtes Textilkunstwerk, aus edlen Stoffen und reich geschmückt. Diese Arbeit übernahmen geschickte Heimarbeiterinnen am Stickrahmen zuhause. Bei den detailreichen Ausarbeitungen war oft viel Ausdauer der Stickerinnen gefragt.

Musterkarten mit hohem dokumentarischen Wert

Die Entwürfe für die Anfertigung wurden in der Firma gut aufbewahrt, denn sie wurden Kunden immer wieder als Muster vorgelegt, um darauf aufbauend einen jeweils neuen passenden Entwurf fertigen zu können. Es gibt einen ganzen Fundus von größeren und kleineren Musterkarten, die meisten farbig und detailreich, manche aber auch in schwarz-weiß.

 

Ihr dokumentarischer Wert ist vielfältig: Sie zeigen zum einen, welche künstlerischen und handwerklichen Fertigkeiten von den Mitarbeitern verlangt wurden. Zum anderen sind sie Dokumente für den Stilwandel, dem auch die Bilder auf Fahnen im Lauf der Zeit unterworfen sind.

Die Muster repräsentieren die gesamte Palette dessen, wo Fahnen eingesetzt wurden: militärische Vereine, kirchliche Organisationen, Handwerkervereinigungen, Feuerwehr, Sport- oder Gesangvereine. Damit sind die Fahnenentwürfe, vor allem in dieser Vielfalt, ein Zeugnis nicht nur der Lüdenscheider, sondern der deutschen Geschichte, insbesondere der Vereinsgeschichte – aber darüber wird noch zu berichten sein

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