Produkt aus Lüdenscheid

Eine Musikbox namens "Bambi"

+
Die Lüdenscheider Musikbox "Bambi"

Lüdenscheid - „Ich zähle täglich meine Sorgen“, gesungen von Peter Alexander, „Zwei kleine Italiener“ von Conny Froboess, Lieder von Heidi Brühl oder Gus Backus: Schlager aus den frühen 1960er-Jahren lassen erkennen, wann diese Musikbox „Bambi“ das letzte Mal in einer Gaststätte gestanden hat. Sie gehört zu den Sammlungsstücken in den Museen, deren Herkunft ausführlich dokumentiert ist: Lüdenscheid.

Die Musikbox ist ein Lüdenscheider Produkt, das in den 1950er- und 60er-Jahren auch über die Stadt- und sogar Landesgrenzen hinaus verkauft wurde.

Die Musikbox Bambi der Museen wurde nämlich 1958 in den Eichhoff-Werken in Lüdenscheid produziert. Untergebracht ist sie in einem Holzgehäuse, 40 Single-Schallplatten mit 80 Musiktiteln auf Vorder- und Rückseite sind auf einer horizontalen Drehachse aufgereiht.

Bei der Auswahl der Schallplatten handelt es sich um die Originalbestückung, mit der die Musikbox zuletzt in der Gaststätte „Die Putte“ in Iserlohn im Einsatz war.

„Bambi“ von Lüdenscheid bis nach Neapel geliefert

Dokumentiert ist die Geschichte der Musikbox „Bambi“ durch Zeitzeugenberichte, unter anderem durch zwei ehemalige Mitarbeiter der Eichhoff-Werke. Helmut Ely war seit 1951 als Ingenieur für die Entwicklung neuer Produkte verantwortlich, Siegfried Schlünz leitete seit 1953 die Fertigung der Musiktruhen.

Nach ihrem Bericht hatte ein Erfinder aus Bremen namens Ledertheil die Idee für „Bambi“. Ihre Vorteile gegenüber anderen US-amerikanischen und deutschen Musikboxen, beispielsweise von dem bekannten Hersteller Wurlitzer, seien demnach gewesen, dass sie erheblich preisgünstiger und robuster gewesen sei.

Die beiden Mitarbeiter hätten eine Bambi-Musikbox sogar bis nach Neapel ausgeliefert, was in jenen Jahren ein regelrechtes Abenteuer gewesen sei. In Lüdenscheid war dieses Modell weit verbreitet: in Kasernen, Gaststätten oder Eisdielen.

Ely und Schlünz haben sie im Auftrag ihrer Firma gewartet. Belegt sind in Lüdenscheid und Umgebung unter anderem Standorte in der ehemaligen Gaststätte Wissing auf der Homert, in der Oedenthaler Mühle, bei Alfrin in Herscheid, in der Gaststätte Steinerne Brücke in Altena an der KAE-Station in der Rahmede, in der Thünenschänke.

Musik nach Wahl für die Liebste

In den 1950er- und frühen 60er-Jahren waren solche Musikboxen ein echtes Highlight. „Sonntags spendierte der junge Verehrer seiner Liebsten Musik nach Wahl“, erinnerte sich der Lüdenscheider Ulrich Baberg für die Dokumentation der Museen.

Dass sie jeden Monat mit den neuesten Hits bestückt wurden, machte sie für die junge Generation so beliebt. Denn kaum jemand konnte es sich leisten, regelmäßig die neuesten Schallplatten selbst zu kaufen.

Deshalb lockten diese Musikboxen die jungen Leute auch in die Wirtschaften: „Am Nachmittag ging man mit seiner Liebsten in die Wirtschaft und leistete sich ein Bier, spendierte der Freundin eine Limonade und dazu ein paar Musikwünsche.

Orangen- oder Zitronenlimonade war nach amerikanischem Vorbild groß in Mode gekommen und wurde in Lüdenscheid von Julius Koppenburg hergestellt und auch vertrieben.“ Mit solchen Geschichten lassen die Zeitzeugen das Lebensgefühl jener Jahre wieder aufleben.

Beim monatlichen Schallplattenwechsel in den Musikboxen habe sich zudem die Gelegenheit geboten, ausrangierte Platten günstig zu erwerben. Seit Ende der 1960er-Jahre ging das Interesse des Publikums an Musikboxen zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare