Vier Vereine aus Schützenbund ausgetreten

Rücktritt vom Austritt? BSV-Vorsitzender Rolf Linnepe.

LÜDENSCHEID ▪ Ihre Mitgliedschaft im Westfalischen Schützenbund (WSB) kündigten jetzt vier heimische Schützenvereine zum Jahresende: die Lüdenscheider Schützengesellschaft (LSG), der Bürger-Schützenverein (BSV) sowie die Schützenvereine Brügge und Hülscheid, wobei letzterer laut dem Schützenbund bereits wieder eingetreten ist.

Grund für die Rote Karte für den Verband war die Erhöhung des Jahresbeitrags, den jeder Verein pro passivem Mitglied an den WSB überweisen muss: Sechs Euro statt bisher fünf pro Kopf sollen es sein, beschloss die jüngste Bundesdelegiertenversammlung. Jedes aktive Mitglied kostet 13,50 Euro pro Kopf und Jahr.

Für einen großen Verein wie die LSG, die 6000 Euro im Jahr an den Schützenbund überweist, sei der jetzt geforderte Mehrbetrag kaum mehr aufzubringen, heißt es in einer Einladung zu einem kürzlich abgehaltenen Arbeitsgespräch. Auch für den BSV sind die Belastungen inzwischen an eine Grenze gestoßen, die zusätzliche Beiträge kaum noch stemmbar machten, wie Vorsitzender Rolf Linnepe auf Anfrage der LN erklärte.

Die vier Kündigungen, die am 31. September an den Bundessitz nach Dortmund gingen, rufen jetzt den WSB-Präsidenten Klaus Stallmann auf den Plan. Wie er den LN gestern bestätigte, will er am übernächsten Freitag nach Lüdenscheid kommen, um mit den abtrünnigen Vereinen „ein vernünftiges Gespräch zu führen, wie es sich unter Schützenbrüdern gehört“. Natürlich sei jede zusätzliche Belastung für die Vereine ein Problem, räumte Stallmann ein. Allerdings: Von den 938 Vereinen, die mit ihren 90 000 Mitgliedern im WSB organisiert sind, hätten nur fünf mit Austritt reagiert, darunter die drei aus Lüdenscheid und die Hülscheider, die allerdings auf Druck ihrer Sportschützen inzwischen den Rückmarsch in den Bund angetreten haben.

Denn der Austritt aus dem WSB bedeutet für die Sportschützen jedes Vereins, dass sie nicht mehr an Wettbewerben teilnehmen können, die für sie das Salz in der Suppe sind. Zudem sind die Vereine über den Verband versichert – ob es nun um Wettbewerbe der Sportschützen oder Vereins-Veranstaltungen geht. Auch der BSV musste diese Versicherung bereits in Anspruch nehmen, etwa nach dem Einsturz einer Traverse beim Nicole-Konzert im Mai 2005. Weitere Leistungen des Verbandes sind laut Stallmann der Beitrag an den Deutschen Schützenbund, Vergünstigungen der Gema und die zweimonatlich erscheinende Verbandszeitung.

Die Lüdenscheider Vereine, die Klaus Stallmann nach den Verhandlungen zum Weihnachtspreisschießen des BSV eingeladen haben, denken im Vorfeld über Auswege nach. Auch sie schließen Wiedereintritte mit Blick auf ihre Sportler nicht aus. Aber denkbar wäre auch, nur die Sportschützen als „Verein im Verein“ beim Schützenbund führen zu lassen, die große Zahl der Mitglieder des Stammvereins aber nicht.

Stallmann will ergebnisoffen in das Gespräch gehen: „Wir werden unsere Leistungen nochmal auf den Tisch legen und die Gründe für die Erhöhung ausführlich erläutern.“ Dabei gehe es auch um das inzwischen 30 Jahre alte Leistungszentrum in Dortmund. Die größte Anlage in Europa mit 128 Schießständen müsse renoviert werden.

Lösungen im Sinne von Sonderbeiträgen für die Lüdenscheider Vereine könne er sich denn auch nicht vorstellen: „Der Beschluss der Delegiertenversammlung steht.“ ▪ hgm

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