Lockere Einkaufstouren am Heiligen Abend

Servietten verboten: Ein Heiligabend-Einkauf bei Rewe

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Lüdenscheid - Es war fast wie immer: Wer noch etwas vergessen oder monatelang keine Lust zum Kaufen von Geschenken verspürte, eilte in den verbliebenen Geschäftsstunden des Heiligen Abends in die Innenstädte, um das Versäumte nachzuholen. Doch in diesem Jahr lief alles ein bisschen anders.

Der Heilige Abend fiel auf einen immer noch einigermaßen heiligen und zumeist geschäftsfreien Sonntag. Und tatsächlich behauptete der sich weitgehend in der Nachbarschaft der beiden Weihnachtsfeiertage: Bei den Discountern und im Hitmarkt blieben die Türen geschlossen.

Eine Ausnahme machten die vier Lüdenscheider Rewe-Märkte mitsamt angeschlossener Bäckereien: „Laut Gesetzgeber dürfen wir Ihnen heute zwischen 10 und 14 Uhr ausschließlich Lebens- und Genussmittel verkaufen“, verkündeten großformatige Infotafeln in allen Märkten. „Der Verkauf von allen anderen Produkten ist uns leider nicht gestattet.“

Und das war absolut ernst gemeint: „Null Chance - auf keinen Fall“, bekam eine Kundin zu hören, die vergessen hatte, Servietten zu kaufen. Ein anderer Kunde schaffte es an den Warentransportwagen und dem rot-weißen Flatterband vorbei in die Haushaltswarenabteilung und wurde zurückgepfiffen: „Da dürfen Sie nichts kaufen heute!“

Servietten kaufen? An Heiligabend verboten

Wer es dennoch mit etwas Verbotenem bis zur Kasse geschafft hatte, scheiterte spätestens dort: „Das geht nicht über die Kasse. Da kommen wir in Teufels Küche“.

Das wäre ein echtes Kontrastprogramm zum himmlischen Fest der Liebe gewesen. Wie die meisten allgemeinen Regeln hatte auch die „Nur-Lebens-und-Genussmittel-Regel“ einige kuriose Folgen: Wer noch – durchaus nahe liegend – Servietten, Kerzen oder Geschenkpapier brauchte, biss auf Granit.

Wer jedoch seinen Bestand an Wodkaflaschen „Fuck off“ auffüllen wollte, musste sich nur zwischen „pur“, „Sexmachine“, Kamikaze und Harakiri entscheiden. „Frohe Weihnachten!“ Eher traurig anzusehen war die recht große Nachfrage nach Fertiggerichten: Offenbar wartete nicht überall der frisch zubereitete Weihnachtsbraten.

Irgendetwas fehlt immer

Warum hatten sich die Kunden nicht schon Samstag mit dem eingedeckt, was man für drei Festtage braucht? „Ich war gestern einkaufen, aber es fehlen dann doch immer wieder irgendwelche Kleinigkeiten“, sprach ein Kunde das berühmte Zauberwort.

Ein Rentner berichtete von einem echten Notfall: „Ich habe heute Morgen den Brotschrank aufgemacht - es war alles verschimmelt.“ Der Renner blieben bei all dem die frischen Backwaren von Brötchen bis zum weihnachtlich geschmückten Frankfurter Kranz. Tütenweise leerten die Kunden die Bäckerei Kayser am Breitenfeld. „Man muss es auch würdigen, dass die heute offen haben!“, rechtfertigte ein weiterer Kunde den Sonntagseinkauf.

Sektfrühstück für die Rewe-Mitarbeiter

Die Rewe-Mitarbeiter, die sich freiwillig für diese besondere Schicht gemeldet hatten, nahmen das Ganze nach einem gepflegten Sektfrühstück gelassen bis heiter: „Wir hatten heute sogar Spaß bei der Arbeit!“, hieß es an einer der Fleischtheken.

Ein weiterer Mitarbeiter war froh, dass die Vorbereitungen des Heiligen Abends daheim in der gewohnten werktäglichen Weise ablaufen konnten: „Ob ich jetzt vier Stunden zuhause rumsitze oder hier bin, ist im Grunde genommen egal.“

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