Messerstiche, Not-OP: Vier Jahre Haft für Lüdenscheider

LÜDENSCHEID - Mit Messerstichen verletzte ein heute 21-jähriger Lüdenscheider am 10. September 2011 den Gast einer Lüdenscheider Diskothek so schwer, dass dieser nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Jetzt sprach das Hagener Schwurgericht das Urteil gegen den jungen Mann.

Mit vier Jahren Jugendstrafe wegen versuchten Totschlags und zweifacher Körperverletzung ging die Kammer noch über das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß von drei Jahren und acht Monaten hinaus. Der Vertreter der Anklage hatte lediglich eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt. Rechtsanwalt Wolf bat um eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten, um dessen Resozialisation nicht durch eine lange Haftstrafe zu beenden: „Wenn man ihn jetzt wegsperrt, sind alle Bemühungen umsonst.“

Erklärungsbedürftig war nach diesem Urteil vor allem die Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Der zentrale Satz der Begründung des Vorsitzenden Richters Marcus Teich enthielt mit Blick auf den wuchtigen Stich in den Oberkörper des Opfers gleich zwei Verneinungen: „Das ist eine derart gefährliche Handlung, dass man nicht mehr davon ausgehen kann, dass jemand, der dort hineinsticht, den Tod des Opfers nicht billigend in Kauf nimmt.“ Der Angeklagte habe aus nichtigem Anlass Streit mit der Gruppe des Opfers gesucht, und er habe sehr genau gewusst, dass er ohne den Einsatz des Messers dabei keine Chance gehabt hätte. Von einer Notwehrsituation, wie sie der Angeklagte behauptet hatte, könne keine Rede sein – schon deshalb, weil er der Einzige war, der ein Messer bei sich trug. „Wir halten das, was der Angeklagte hier erzählt hat, für widersprüchlich.“ Auch einen Rücktritt von der Tötungsabsicht konnte die Kammer nicht erkennen: „Es ist nur dem Eingreifen anderer zu verdanken, dass nicht noch mehr passiert ist.“

Das Gericht sah deshalb „erheblichen Erziehungsbedarf“ bei dem jungen Mann, der „nicht den Eindruck von Reue und Einsicht“ gemacht habe. Stattdessen habe sich der 21-Jährige vor Gericht in der Opferrolle präsentiert und kein Wort des Bedauerns für die wirklichen Opfer des Geschehens gefunden.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer einen Tötungsvorsatz des Angeklagten verneint: Der Stich sei „eher ungezielt“ gewesen, und zudem erwarte ein junger Mensch (durch seine Unerfahrenheit) keine lebensgefährlichen Folgen einer solchen Tat. Das aber sah das Gericht anders. - Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare