Viele offene Fragen nach tödlichem Unfall im Hotelpool

Die Bild-Zeitung hat mit vielen Detailinformationen groß über den furchtbaren Unfall berichtet. Eine offizielle Bestätigung über die Vorwürfe, die dort erhoben werden, gibt es nicht.

LÜDENSCHEID - Der Tod des sechsjährigen Jungen aus Lüdenscheid, der laut Medienberichten im ägyptischen Badeort Hurghada in einer Hotelpool-Landschaft ertrunken sein soll, wird nach einer für Donnerstag angekündigten Überführung des Leichnams ein Todesermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hagen auslösen.

Von Thomas Hagemann

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Das erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer gestern auf Anfrage. Es würde darin um die Klärung der Frage gehen, „ob Anhaltspunkte für das Vorliegen einer strafbaren Handlung vorliegen“. Hier könne eine fahrlässige Tötung ebenso in Betracht kommen wie eine Verletzung der Aufsichtspflicht. Allerdings gebe es für die heimischen Ermittlungsbehörden derzeit noch keine offizielle Mitteilung zu dem Vorfall, man kenne allein die Presseberichte aus Hurghada.

Die widersprechen sich indes vielfach. So hieß es zunächst, der Badeunfall sei am Samstag geschehen. Dann verlautete, es sei am Donnerstag passiert, das Kind sei in ein Krankenhaus gebracht und später ohne Wissen des Vaters in eine andere Klinik verlegt worden, wo es dann am Samstag verstorben sei.

Die Frage, ob das Kind schwimmen konnte, wird unterschiedlich beantwortet. Angeblich wurde der 1,35 Meter große Junge in einem laut Beckenrandschrift nur 1,10 Meter tiefen Bassin geborgen, das aber am Fundort in der Mitte eine Tiefe von 1,50 Meter aufwies. Und: Das Auswärtige Amt wurde mehrfach mit Bestätigungen von Lüdenscheid als dem Wohnort der Familie zitiert. Doch LN-Anrufe in Berlin, beim Vize-Honorarkonsul in Hurghada und der deutschen Botschaft in Kairo ergaben, dass alle diese Behörden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes grundsätzlich nur das Bundesland nennen, aus dem ein verunglückter Deutscher stammt. Die Botschaft bestätigte lediglich, einer deutschen Familie nach dem Unfall ihres Kindes in Hurghada jede erdenkliche Hilfe angeboten zu haben.

Ein Hinweis darauf, dass der Junge tatsächlich aus Lüdenscheid kommt, ging indes bei der hiesigen Polizei ein: Hier fragte eine Mutter nach Angaben der Kreispolizeibehörde, wie sie rasch an notwendige Papiere zur Einreise nach Ägypten gelangen könne, wo ihr Sohn ertrunken sei. Der Junge war den Presseberichten zufolge allein mit seinem Vater in den Ägypten-Urlaub gefahren.

Ob es zu der in überörtlichen Medien angekündigen Obduktion des Leichnams kommt, sei möglich, aber noch nicht sicher, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dies hänge auch von den Angehörigen ab, die zugleich ihre Trauerarbeit zu bewältigen hätten. Sollten sich die bisherigen Presseangaben bestätigen, richte man sich auch auf eine Zusammenarbeit mit den ägyptischen Ermittlungsbehörden im Wege von Rechtshilfeersuchen ein. Angeblich soll der Vater erklärt haben, dass kein Bademeister anwesend war und ein Arzt erst 20 Minuten nach dem Auffinden des Jungen erschienen sei. Bislang sind indes alle diese Darstellungen zum Hergang noch unbestätigt.

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