Viele Kunden betroffen: Sparkasse schließt Kündigung von Verträgen nicht aus

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Symbolfoto

Lüdenscheid – Die Sparkasse Nürnberg hat mehr als 20.000 Kunden-Verträge für das sogenannte Prämiensparen gekündigt und damit bundesweit Schlagzeilen gemacht. Bei der Sparkasse Lüdenscheid laufen solche Verträge noch – doch wie das Geldinstitut in Zukunft mit ihnen verfahren wird, ist noch nicht sicher, wie Thomas Meermann als Sprecher der Sparkasse Lüdenscheid sagt.

Zwar wird das Modell hier seit dem 1. Januar nicht mehr angeboten, doch einige Altverträge gibt es noch. Ähnlich verhält es sich sich bei der Volksbank Südwestfalen – ihr Modell nennt sich Bonussparen. Allerdings sagt Thomas Sommer als Pressesprecher der Volksbank: „Wir bieten das Produkt nicht mehr an. Bestehende Verträge lassen wir auslaufen, an Kündigungen wird nicht gedacht.“ 

Das Prinzip funktioniert so: Kunden, die vor Beginn der Niedrigzinsphase entsprechende Verträge abgeschlossen haben und seitdem darauf einzahlen, dürfen sich über entsprechende Prämien freuen. Doch das Geschäftsmodell rechnet sich für Banken nicht mehr. 

20 Prozent Prämie

Denn wer Monat für Monat einen vorher vereinbarten Betrag einzahlt und dieses Geld nicht antastet, der bekommt neben den Zinsen (bei der Sparkasse sind es beim Prämiensparen 0,15 Prozent) nach einiger Zeit Prämien. 

Wie hoch diese ausfallen, hängt vom Vertrag ab: Das Höchstmaß liegt allerdings bei 20 Prozent nach elf Jahren, wie Meermann erklärt. Nach drei Jahren beginnt die Prämie bei nur rund 0,25 bis 4 Prozent und staffelt sich nach zehn und eben wieder nach elf Jahren. Und sie bezieht sich dabei stets nur auf die Jahressparleistung, nicht auf das gesamte Kapital. 

"Bessere Möglichkeiten, um zu sparen"

Heißt: Wenn ein Kunde monatlich 100 Euro spart, erhält er – bei einer Prämie von 20 Prozent – neben den Zinsen einen Bonus in Höhe von 240 Euro. Andere Sparkassen – darunter die im Märkischen Kreis, zu der Lüdenscheid nicht gehört – haben sogar noch Altverträge mit Prämien von bis zu 50 Prozent. Diese sind sehr lukrativ. 

„Bei uns gibt es inzwischen aber sehr viel bessere Möglichkeiten, um zu sparen“, sagt Meermann. „Mit den niedrigen Zinsen beim Prämiensparen liegt man trotz der Prämie noch unter der Inflationsrate.“ 

Unklar, was mit Altverträgen passiert

Was die Altverträge in Lüdenscheid angeht, geht Meermann davon aus, dass sie weiterlaufen werden. Die meisten seien ohnehin auf 10 oder 25 Jahre begrenzt. Nur wenige, die noch vor 2011 abgeschlossen wurden, hätten eine unbegrenzte Laufzeit. „Was mit diesen Altverträgen ist, weiß ich noch nicht. Das wurde noch nicht besprochen.“ 

Der Bundesgerichtshof urteilte zuletzt, dass Kündigungen beim Erreichen der höchsten Prämienstufe möglich sein können. Auch bei der Volksbank seien die Verträge zeitlich befristet, erklärt Pressesprecher Thomas Sommer. Deswegen lasse man sie einfach auslaufen. 

Zurzeit hätten „deutlich unter fünf Prozent“ der 162.000 südwestfälischen Volksbank-Kunden solche Verträge – Tendenz sinkend. 

Warnung vor Kündigungen

Klaus Müller, Chef des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, warnte die Sparkassen gegenüber der Lippischen Landeszeitung allerdings vor einer Kündigung: Sie sei mit einem Glaubwürdigkeitsverlust verbunden. Verbraucher könnten schließlich auch nicht Kreditverträge einfach kündigen, weil sie die Zinsen als zu hoch empfänden. Müller empfiehlt, Kündigungen schriftlich zu widersprechen und die Verbraucherzentralen oder Anwälte hinzuzuziehen. 

Verständnis für die Banken hat Daniel Bauer, Chef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Würden sämtliche nicht profitablen Verträge beibehalten, habe das unter Umständen schwere Folgen bis hin zu Insolvenzen, sagte er.

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