Viel zu wenig Platz: Warum die Lüdenscheider Feuerwache nicht mehr zeitgemäß ist

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Von Außen hat sich die Feuerwache seit 1954 kaum verändert. Einige Nebengebäude kamen hinzu und vor allem im Innern wurde umgebaut.

Lüdenscheid – Vor 65 Jahren wurde die Feuerwache am Dukatenweg eingeweiht. Seitdem hat sich vor Ort einiges verändert: Um die Anforderungen an die Feuer- und Rettungswache zu erfüllen, wurde angebaut und umstrukturiert. Dennoch ist ein Neubau an anderer Stelle unumgänglich.

Die Feuer- und Rettungswache am Dukatenweg ist bereits vor Jahren zu einem Kompromiss geworden. Obwohl sie jahrzehntelang allen Anforderungen standhielt, war die Entwicklung zuletzt rasant: Mehr Einsätze, mehr Personal, mehr Fahrzeuge – auf lange Sicht reichen Gelände und Gebäude nicht mehr aus, die Bedingungen für die Einsatzkräfte sind nicht mehr optimal. Noch eine Erweiterung ist nicht mehr möglich und die bisherigen Lösungen sind nur für den Übergang geeignet. 

Seit 2017 ist klar: Die Feuer- und Rettungswache wird auf dem ehemaligen Novelis-Grundstück an der Wiesenstraße neu gebaut. Doch das Vorhaben zieht sich, denn die Feuer- und Rettungswache wird bedarfsgerecht gebaut. Heißt: Die genauen Anforderungen müssen vorab geklärt sein. 

Dieser Alarm hat ausgedient.

Dazu gehören eine sinnvolle Aufteilung der Räume, um die Wege möglichst kurz zu halten. Alles wird optimal für den Einsatz gebaut, selbst die Radien bei den Ausfahrten müssen genau geplant sein. All das bedarf einer entsprechend detaillierten Vorplanung. 

„Wir haben deshalb eine Funktionsanalyse machen lassen“, erklärt Andreas Beckmann von der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW). Die sei nun abgeschlossen. Inzwischen sei die Stadt in den Vorbereitungen, die Ingenieurleistungen auszuschreiben – noch in diesem Jahr soll die Ausschreibung öffentlich gestartet werden, sagt Beckmann. Zum weiteren zeitlichen Vorhaben konnte er bislang jedoch nichts sagen. 

Der Schlauchturm entspricht nicht mehr den Vorgaben.

In erster Linie soll die neue Feuer- und Rettungswache alle notwendigen Anforderungen erfüllen – und das über einen möglichst langen Zeitraum. „Man muss auch bedenken, dass die jetzige Wache lange standgehalten hat – 65 Jahre sind eine stolze Zeit“, sagt Jörg Weber vom Fachdienst Feuer- und Rettungswache Lüdenscheid. 

Nach langen Planungen, weil das ursprüngliche Feuerwehrgerätehaus an der Corneliusstraße nicht mehr den Ansprüchen genügt hatte, wurde die Feuerwache am 20. Juli 1945 am Dukatenweg in Besitz genommen. Wie alten Aufzeichnungen zu entnehmen ist, erfüllte sie fast zwei Jahrzehnte lang ohne große Veränderungen alle Ansprüche. 

Fast 500.000 DM waren damals von der Stadt aufgewendet worden – ein für die damaligen Verhältnisse hoher Betrag. Ein Nebengebäude wurde erst Anfang der 80er-Jahre nötig, um die Fahrzeuge des Rettungsdienstes dort unterzubringen. 

Innen hingen die Schläuche, außen diente der Turm den Feuerwehrbeamten für Steigeübungen.

Außerdem änderten sich die Bedingungen aufgrund der geforderten Kreisleitstelle. Ursprünglich war die Feuerwehr-Nachrichtenzentrale der Stadt im Turm-Bereich des Gebäudes untergebracht – „dort lief der Notruf auf und Einsätze wurden eigenständig disponiert“, sagt Weber. Nach und nach sind sie übergegangen auf die heute im Gebäude untergebrachte Kreisleitstelle. 

Der Turm selbst ist heute nicht mehr in Benutzung, er diente einst als Schlauchturm, der dank neuer Schlauch-Materialen nicht mehr für deren Trocknung benötigt wird. Außerdem entspreche er nicht mehr den Vorschriften. Lediglich die Einhänge für die Schläuche an der Decke erinnern noch an seine Funktion. 

Hier hingen einst die Schläuche von der Decke. Heute wird der Turm nicht mehr genutzt.

Die Feuer- und Rettungswache sei damals sehr bedacht gebaut worden, sagen Weber und Beckmann. „In anderen Wachen sieht man oft typische Bauelemente der 50er-Jahre, das ist hier nicht der Fall – unser Treppenhaus wurde hinsichtlich seiner Funktion gebaut, ohne Schmuckelemente oder Wendeltreppen, die hinderlich sein könnten“, weiß Weber. 

Dennoch wurde in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten „einmal alles auf Links gedreht“. Das Gebäude wurde umgebaut und ergänzt. Durch eine Leichtbauhalle wurde mehr Platz geschaffen, in den Hallen der Feuer- und Rettungswache wurden Flächen überbaut und die Spindräume und Sanitäranlagen den neuen Anforderungen angepasst. 

Zwar reichen die Veränderungen für den Übergang aus, „es entspricht den Vorgaben der Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung“, drückt Weber es sachlich aus. „Aber wir haben auch jeden Quadratzentimeter ausgenutzt.“ Doch dadurch seien die internen Wege länger geworden, sagt Weber. Mit dem Neubau sollen solche Kompromisse bald der Vergangenheit angehören.

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