Ende einer Ära?

Mit dem Betreiber stirbt auch die letzte Videothek der Stadt 

+
Die Kunden des Videoverleihs an der Werdohler Straße 42 stehen vor verschlossenen Türen: Alfred Rabensteinek ist tot.

Lüdenscheid – Nach dem Tod des Betreibers steht die letzte Videothek in Lüdenscheid vor dem Aus. Die Kunden des Videoverleihs an der Werdohler Straße 42 vor verschlossenen Türen. Ein Schild an der Eingangstür der Videothek weist auf einen Trauerfall hin. Den Kunden wird darauf für die Treue gedankt.

Nach Auskunft von Hauseigentümer Volker Pojda sei Betreiber Alfred Rabsteinek überraschend nach einer Krankheit gestorben. Klar ist: Sollte sich jetzt niemand finden, der den bisherigen Betrieb weiterführt, so geht mit der Schließung des Video-Centers die Ära der Videotheken in Lüdenscheid zu Ende.

Volker Pojda ist momentan ratlos: „Ob’s da jetzt noch einen Abverkauf der verbliebenen Ware geben wird oder die Videothek doch wiedereröffnet, hängt allein von der Entscheidung eines potenziellen Nachmieters ab“.

Auch sei ihm bisher nicht bekannt, ob Rabsteinek überhaupt Angehörige hatte. „Die Videothek war nach seiner Pensionierung sein Leben, er liebte sie“, sagt Volker Pojda. Videotheken waren für Alfred Rabsteinek nichts Neues, als er 1998 das Geschäft übernahm. Seine Familie besaß bereits fünf Läden, er kannte also das Geschäft.

Der Vorbesitzer besaß noch einen weiteren Filmverleih in Solingen. Beide Filialen kaufte Rabsteinek dem Mann zwölf Jahre nach der Eröffnung ab. „Der Vorbesitzer kam mit dem Geschäft nicht mehr klar“, erinnert er sich. Der gebürtige Krefelder arbeitete zu dieser Zeit hauptberuflich als Meister für den Maschinenbau und betrieb den Filmverleih nebenbei als Hobby. Erst mit dem Eintritt in die Rente wurde das Verleihen von Filmen zu seinem Hauptberuf.

Die Videothek war Alfred Rabensteineks Leben.

So lange wie möglich wollte der Rentner seine Videothek noch weiterführen. Ursprünglich wurde das Video-Center von Monika und Hans Jürgen Diemitroff im Jahre 1986 eröffnet.

Das drohende Aus nach dem Tod von Alfred Rabsteinek würde zugleich die Geschichte eines Geschäftsmodells beenden, das in der Bergstadt erstmals ab 1980 in den Rundfunkfachgeschäften praktiziert wurde. Fachhändler wie Radio- und Fernsehen Beier (Hochstraße 7) richteten damals Verleihecken für Video-Kassetten, den analogen Vorläufer von DVD und Blu-Ray, ein. Gegen eine Vermietgebühr von fünf  Mark am Tag konnten Kunden Kinofilme Zuhause genießen. Aus dem Nebengeschäft des Fachhandels wuchs eine eigene Branche.

1981 eröffnete mit dem „M+T Filmbasar“ an der Kluser Straße 5 die erste „echte“ Videothek in Lüdenscheid. Im selben Jahr folgten City-Video (im City-Center) und das „VFL Depot“ der Märker KG (Werdohler Straße 75). Bis in die 90er-Jahre expandierte die Branche in der Stadt: Es gab das Video-Land (Knapperstraße 59), die Videothek am Rathausplatz (Rathausplatz 15), das Video-Center I (Am Worthnocken 1), Video Yaman (Kluser Straße 22), die Videothek im Edeka (Im Olpendahl 4), Olma’s Video-Farm (Volmestraße 32, später Heedfelder Straße 11), Media-X (Glatzer Straße 11), Video Aktuell (Knapper Straße 38) und Videotreffs an der Kölner Straße 82 sowie am Bräuckenkreuz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare