Verzicht auf Glyphosat: Lüdenscheid setzt auf Heißschaum

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Um Unkraut zu entfernen, setzt die Stadt unter anderem Heißwasser ein.

Lüdenscheid – Noch ist die Chemikalie Glyphosat, das laut Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend gilt, in Deutschland nicht verboten. Doch obwohl das Unkrautvernichtungsmittel weltweit eingesetzt wird, verzichtet die Stadt Lüdenscheid bereits seit Jahren darauf.

Das erklärt Bürgermeister Dieter Dzewas nach einer Anfrage des Ratsherrn Michael Thomas-Lienkämper (Die Linke). Stattdessen habe die Stadt bereits verschiedene umweltschonende Behandlungsmethoden getestet, wie den „Einsatz von Heißschaum und Heißwasser sowie das Abbrennen von Unkraut“. 

Allerdings sei die Wirkung dieser alternativen Methoden deutlich geringer und weniger nachhaltig als die Wirkung von Glyphosat. „Demzufolge ist eine häufigere Anwendung erforderlich und jede Anwendung bedeutet einen höheren Arbeitsaufwand ohne gleichwertiges Ergebnis“, erläutert Dzewas. 

Doch nicht nur die gesundheitlichen Gefährdungen von Glyphosat nennt die Stadt als Grund gegen den Einsatz der Chemikalie: „Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt [...] und trägt maßgeblich zum Artensterben in der Agrarlandschaft bei.“ 

Obwohl die schonenderen Methoden als weniger effektiv gelten, seien sie dennoch erfolgreich. 

Heißschaummethode 

Bei dieser Methode wird Wasser auf mindestens 95 Grad Celsius erhitzt „und mit einer geringen Menge an Zuckertensiden versetzt. Die Lösung wird zu einem Schaum aufgeschlagen und auf die Pflanzen ausgebracht. Der heiße Schaum legt sich wie ein Teppich für kurze Zeit auf die Pflanzen und kocht sie ab. Die Hitze zerstört die Zellstrukturen und die Pflanzen gehen ein“. 

Das Verfahren werde insbesondere bei Baumscheiben, generell aber auf allen Flächen angewendet. 

Heißwassermethode 

Der Einsatz mit heißem Wasser funktioniere ebenfalls ganz ohne Chemie, heißt es in der Erklärung. Das Wasser wirke genau auf das Unkraut ein und habe eine lange Nachwirkung. 

„Auch auf empfindlichen und wassergebundenen Belägen ist die Heißwassermethode möglich.“ 

Abbrennen 

Auf Pflastersteinen, in Fugen und auf Gehwegen setze die Stadt vor allem im Innenstadtbereich auf die Bekämpfung von Unkraut mit einem Abflammgerät. 

„Thermische Energie wird genutzt, um das Unkraut bis zur Wurzel zu bekämpfen. Dabei wird das Unkraut nicht komplett verbrannt, sondern die Hitzeeinwirkung zerstört die Zellwände des Unkrauts und die zur Energieproduktion benötigten Eiweißmoleküle.“

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