Verlorengegangene Eheringe

Verschwundene Wertsachen: Neue Boxen an Notfallbetten

Klinikum Hellersen Lüdenscheid
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44 Verlustanzeigen im Jahr 2020: Im Klinikum in Hellersen haben die Begleitumstände in Zeiten der Corona-Pandemie dazu geführt, dass sich die Zahl der Verlustanzeigen im Vergleich zum Jahr 2019 fast verdreifacht hat.

Lüdenscheid – Die Märkischen Kliniken haben auf die Berichterstattung unserer Zeitung über im Klinikum Lüdenscheid verloren gegangene Wertgegenstände reagiert. Unter anderem waren in drei Fällen Eheringe von Verstorbenen verschwunden. Die Botschaft: Es sollen Maßnahmen ergriffen werden, um besser als in der Vergangenheit auf die Wertgegenstände der Patienten aufzupassen, unter anderen durch neue verschließbare Bettenboxen für Notfallpatienten. Dazu hat das Klinikum seine Statistiken über Verlustanzeigen und deren Nachverfolgung ausgewertet.

In der Stellungnahme des Klinikums heißt es: „Im Jahr 2019 hatten wir bei rund 35 000 Patientenbehandlungen 15 Verlustanzeigen von Wertgegenständen. Diese stiegen 2020 auf aktuell 44 Verlustanzeigen, die wir dem Versicherer gemeldet haben. Die Verlustanzeigen beziehen sich in fünf Fällen auf Schmucksachen und andere Wertgegenstände. In drei Fällen ist hierbei wegen des Verdachts auf einen Diebstahl Anzeige gegen unbekannt erstattet worden. Bei allen anderen Verlustanzeigen geht es um persönliche Gegenstände wie Brillen, Bekleidung, Gehhilfen oder Handtücher. Nach eingehender Überprüfung der uns vorliegenden Fälle gingen persönliche Gegenstände im Jahr 2020 mehrheitlich im Rahmen einer Notfall-Versorgung mit häufig wechselnden Behandlungsorten verloren. So wurde beispielsweise der Patient zunächst in der Notaufnahme erstversorgt, kam in den OP oder auf die Intensivstation und von dort auf eine weitere Station.“

Das Klinikum gibt an, dabei eine Wechselwirkung zu beobachten zwischen rasant steigenden Fällen von Covid-19-Notfallpatienten, enormer Arbeitsbelastung für das Klinikpersonal durch die Corona-Pandemie und zudem stark eingeschränkte Möglichkeiten, mit Angehörigen in Kontakt zu treten – hervorgerufen durch Besuchsverbote. Die unbefriedigende Situation belaste Patienten und deren Angehörige, aber auch das Klinik-Personal.

Verschwundene Wertsachen: Klinikum führt nach Berichten Änderung ein

Die Märkischen Kliniken drängen nach eigener Darstellung auf eine rasche Verbesserung: Betten von Notfallpatienten sollen in Zukunft eine verschließbare Bettenbox für Wertgegenstände erhalten. Darin können dem Patienten Schmuck, Brillen oder Zahnersatz abgesichert mitgegeben werden. Zusätzlich zum Safe im Patientenzimmer würden damit diverse Wertgegenstände sicher aufbewahrt.

Um Angehörigen, aber auch Patienten in Verlustfällen schnell und unbürokratisch weiterzuhelfen, wird der Pressesprecher der Märkischen Kliniken, Dr. Norbert Jacobs, zudem als neuer direkter Ansprechpartner unter Telefon der Rufnummer 02351 462517 zur Klärung zur Verfügung stehen.

Häufung der Fälle von verschwundenen Eheringen

In den vergangenen Wochen und Monaten warten mehrere Fälle von verschwundenen Wertgegenständen öffentlich geworden, so im September, als Frieda Pätsch ihr Hörgerät abhanden gekommen war oder Udo Trebing von einem verlorengegangenen Ehering berichtet hatte. Auch bei Wilhelm Bornmann war nach dessen Tod im Klinikum der Ehering unauffindbar gewesen, genauso bei der Mutter von Reveka Sirhani aus Werdohl.

Die Märkischen Kliniken schließen sich zudem der Aufklärungs-Kampagne an, die 2019 als Initiative von den Landeskriminalämtern mit Unterstützung des Weißen Rings gestartet wurde. „Alle geplanten, stationären Aufnahmen folgen bislang schon einem standardisierten Ablauf“, heißt es, „das gilt auch in Bezug auf den Umgang mit eingebrachten Wertgegenständen des Patienten. Bei Notfällen entscheidet das betreuende Personal, ob die Versorgung mit den an dem Patienten vorhandenen Wertgegenständen möglich ist. Sollte dies nicht der Fall sein, wird der Patient freundlich aufgefordert, diese abzulegen.“

Sollte der Patient dazu nicht selbstständig in der Lage sein, werden diese vom Personal entfernt. Diese Gegenstände würden in einen versiegelten Umschlag deponiert, der danach – versehen mit Patientennamen für eingebrachte Wertgegenstände – verschlossen aufbewahrt werde.

Kliniken bringen „tiefe Betroffenheit“ zum Ausdruck

„Dass sich diese krankenhausinterne Organisation der Märkischen Kliniken zur Erfüllung der oben genannten Pflichten bewährt hat, zeigen die aktuellen Verlustzahlen. In 2020 wurden dem Versicherer lediglich 44 Verlustfälle bei Wertgegenständen gemeldet“, heißt es in der Stellungnahme des Klinikums, „einen Teil der Verlustmeldungen haben die Märkischen Kliniken über das hauseigene Fundbüro klären können. Weitere Fälle konnten durch den Versicherer reguliert werden – oder es wurde eine Regulierung durch die Versicherung in Aussicht gestellt. Lediglich für acht Fälle steht gegenwärtig noch eine Klärung aus. Dabei zeigt das Verhältnis – von bekannt gemachten Verlusten zu der Vielzahl der Patienten –, dass es sich bei den aktuell in der Presse dargestellten Verlustmeldungen um Einzelfälle handelt, die die Märkischen Kliniken natürlich bedauern.“

Darüber hinaus bringen die Märkischen Kliniken in der Stellungnahmen „ihre tiefe Betroffenheit zum Ausdruck, dass die Angehörigen der Verstorbenen durch verloren gegangene Wertgegenstände zu ihrer Trauer diese leidvollen Erfahrungen haben machen müssen. Wir werden uns mit diesem Thema auch in Zukunft sehr intensiv auseinandersetzen und aufmerksam beobachten, wie die von uns getroffenen Maßnahmen in der Praxis greifen.“

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