STL vernichtet Mohnplantage

Kriminalhauptkommissar Tilo Lohr ließ den Mohn im Landeskriminalamt bestimmen.

LÜDENSCHEID ▪ Eine Schlafmohn-Anpflanzung mitten in Lüdenscheid – 300 Meter lang und zehn Meter breit – beschäftigte zwei Tage lang die Lüdenscheider Kriminalpolizei und am Ende der Geschichte auch den STL. Von Jasmin Alijah

Unzählige Pflanzen standen dicht an dicht an der Böschung Bahnhofsallee und Zum Weißen Pferd und verhießen eine vermeintliche Opiumernte. Eine Strafanzeige gibt es dennoch nicht. Eine Ernte auch nicht. Aber einen Polizeibericht: „Es ist davon auszugehen, dass die einzige zu Beschuldigende hier Mutter Natur ist“, resümierte der Lüdenscheider Kriminalhauptkommissar Tilo Lohr, der am Donnerstag mit einer in Zeitung wohl verpackten Schlafmohnpflanze eigens zum Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf fuhr und die Pflanze von der Botanikerin Dr. Ulrike Schlesinger bestimmen ließ.

„Es handelt sich um Schlafmohn“, bestätigte die Fachfrau und ergänzte, dass der aus dem östlichen Mittelmeerraum stammende Mohn wild auf frisch umgepflügten Boden wachse. Die Stadt hatte im vergangenen Jahr an der Böschung Erdreich angehäuft und damit unwissentlich beste Voraussetzungen für den Mohn geschaffen. „Schlafmohn sät sich unter solchen Voraussetzungen selbst aus“. Eine Straftat hat deshalb wohl niemand begangen, die Stadt Lüdenscheid auch nicht gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen.

„Der Anbau von Schlafmohn auch als Zierpflanze ist in Deutschland genehmigungspflichtig. Wer erntet, macht sich strafbar“, so Tilo Lohr. Bis zu fünf Jahren Gefängnis und hohe Geldstrafen stehen hierfür in Aussicht. Doch dass es sich nicht lohnt, Risiken einzugehen, machte Lohr unmissverständlich klar: „Dies ist kein Schlafmohn, wie er in Pakistan oder Afghanistan geerntet wird. Der Wirkstoffgehalt von Opium ist aufgrund der Witterungsverhältnisse in unserer Region verschwindend gering.“

Nach Auskunft des stellvertretenden Ordnungsamtsleiters Martin Haase ist die Stadt dennoch sofort tätig geworden. „Wir haben einen Auftrag, Gefahren abzuwehren. Der Mohn wird entfernt“, bestätigte Haase. Was dann weiter mit der Fläche geschehen soll, wird im Anschluss mit der Stadt besprochen. „Vielleicht wird die Fläche neu umgegraben und bepflanzt“. Zunächst einmal war der STL mit dieser ungewöhnlichen Ernte betraut. Noch am Freitag rückte ein Team des STL aus und sorgte in dem Teilstück für Ordnung.

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