Wohl verschmähte Liebe: Strafverfahren eingestellt

Lüdenscheid - Der Angeklagte (42) war wegen eines Raubüberfalls schon drei Jahre im Knast. Und die Zeugin (26) hat bereits wegen Drogenvergehens gesessen. Aber das tut heute nichts zur Sache. Die beiden sind ein Paar. Oder doch nicht? Das Schöffengericht tritt zusammen, um unter anderem diese Frage zu klären. Und den Tatvorwurf der Körperverletzung.

Staatsanwältin Sandra Leyn liest aus der Anklageschrift vor. Demnach hat der Kraftfahrer seine Bekannte am späten Abend des 17. Juli auf der Friedrichstraße verfolgt und sie in den Rücken getreten. Strafverteidiger Dirk Löber gibt für seinen kräftig wirkenden Mandanten eine Erklärung ab. Der Mann sei an dem Abend gar nicht in Lüdenscheid gewesen, sondern habe in seiner Kiersper Wohnung „Fernsehen geguckt oder geschlafen“.

Aber, sagt Löber weiter, das passe ja ins Bild. Denn allein 2013 habe die junge Frau den Mann fünfmal angezeigt, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung. Sie schreibe ständig SMS-Botschaften, rufe häufig an und bereite seinem Mandanten per Facebook immer neue Probleme. „Motiv: vermutlich verschmähte Liebe.“ Nachstellung, so nennen Juristen das.

Im Zeugenstand sitzt eine blasse, hohlwangige Frau, ungelernt, arbeitslos. Es heißt, sie nehme Drogen. „Wir waren neun Jahre lang ein Paar. Meiner Meinung nach sind wir das immer noch.“ Auch nach diesem Tritt. Sie beharrt darauf: Er war es. Die Zeugin zückt einen Ambulanz-Brief des Klinikums. Darin steht unter anderem: „Schmerzen ohne Prellmarke.“

Nein, sie wolle nicht, dass er bestraft wird, so die Zeugin „Ich habe ihm verziehen. Wir haben das privat geklärt.“ Die Gefühle seien noch da. Und dann die Kehrtwende. „Ich möchte die Beziehung jetzt beenden.“ Löber: „Ach, das haben Sie soeben entschieden?“

Das Gericht, die Staatsanwältin und der Verteidiger ziehen sich für eine Viertelstunde ins Beratungszimmer zurück. Dann verkündet Amtsrichter Jürgen Leichter den Beschluss: Das Verfahren wird eingestellt. Der Angeklagte muss dafür 30 Sozialstunden leisten. Leichter: „Das ist eine reine Beziehungsgeschichte. Sie müssen sich trennen! Das geht nicht so weiter.“

Von Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare