Mauerfall: Post vom Amt nach 25 Jahren

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Lüdenscheid - Auch 26 Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Untergang der DDR haben die Behörden noch nicht alle Vermögensfragen geklärt. Das musste auch eine 88-jährige Lüdenscheiderin erfahren. Sie erhielt jetzt einen Bescheid aus dem Saalekreis - knapp 25 Jahre nach Antragsstellung.

Von Olaf Moos

Sie wollte sich das letzte Lohngeld ihres verstorbenen Mannes auszahlen lassen. Die Kreisverwaltung Saalekreis schickte ihr am 26. Januar dieses Jahres den Bescheid zu. Den Antrag hatte die alte Dame am 8. Oktober 1990 gestellt. Er ist abgelehnt.

Anja Reichow, Tochter der Antragstellerin, erinnert sich. „Als meine Mutter den Brief öffnete, wusste sie schon gar nicht mehr, um was es geht.“ Kein Wunder, wenn die Antwort auf einen Brief nach fast einem Vierteljahrhundert kommt.

Der Hintergrund ist eine alte Geschichte. Der Gatte der Antragstellerin hatte in der DDR in Mücheln in Sachsen-Anhalt gelebt und den Arbeiter- und Bauernstaat 1955 verlassen. Die ausstehenden Löhne, so der Verdacht der Witwe des „Republikflüchtlings“, seien vom Saat eingezogen worden. Im Zuge der Wiedervereinigung hat die DDR mit dem „Gesetz zur Regelung offener Vermögensfragen“ eine Regel für die Rückübertragung enteigneten Vermögens getroffen. Die Verwaltung des Saalekreises mit Sitz in Merseburg wurde nach Angaben von Pressesprecherin Dr. Kerstin Küpperbusch zum Adressaten von 41.000 Anträgen. Davon beziehen sich 37.000 auf Grundstücke, der Rest bezog sich auf Kontoguthaben und bewegliche Vermögenswerte.

„Die Grundstücke galt es als vorrangig zu bearbeiten, der Rest folgte nach und nach“, so die Sprecherin des Landrats im Saalekreis. Der Antrag der Lüdenscheiderin gehörte zum Rest, der je nach „Priorität des Antragsinhaltes“ abgearbeitet wird. Dr. Küpperbusch: „Die lange Dauer resultiert dabei aus dem zum Teil immensen Umfang, der geprüft und recherchiert werden muss.“

Außer einer langen Wartezeit hat die 88-Jährige nichts von ihrem Antrag gehabt. In dem Bescheid heißt es unter anderem: „Die Recherchen des Amtes in den Altunterlagen des ehemaligen Rates (...) ergaben keine Hinweise auf einen Vermögenseinzug hinsichtlich der Lohngelder Ihres Mannes.“ Für einen Widerspruch hat die Lüdenscheiderin vier Wochen Zeit.

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