Verloren, vergessen: Schmuck, Schlüssel, Schirme

Fundsachen zu verkaufen: Gabriele Götze zeigt, was nach sechs Monaten Aufbewahrungsfrist neue Besitzer sucht.

LÜDENSCHEID ▪ Gestern hat das Internet eine Seite verloren. Ausgerechnet die vom Online-Fundbüro der Stadt.

Statt Infos zu Schmuck, Schlüsseln und Schirmen öffnete sich nur ein Warnhinweis: „Diese Seite ist nicht vertrauenswürdig.“ Doch auch für solche Fälle gibt es das richtige Fundbüro – bei der Kommunalen Datenverarbeitungszentrale KDVZ, die diesen Service verwaltet. Kurz drauf war’s wieder einwandfrei am Netz, das virtuelle Fundbüro. Wer seine Navi-CDs für Europa, Nordamerika und die Golfstaaten im Bus vergessen hat, wem sein silbernes Vodafone-Handy auf dem Rathausplatz aus der Tasche gerutscht ist, wer auf der Gasmert beim Wandern seine Silberkette verloren hat – sie alle könnten hier fündig werden.

„Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Leute gar nicht wissen, dass es ein Fundbüro gibt“, wundert sich Gabriele Götze. Sie verkauft im Bürgeramt hin und wieder „abgelaufene“ Fundsachen, die nach Ende der sechsmonatigen Aufbewahrungsfrist nicht abgeholt worden sind und auf die der Finder keinen Anspruch geltend gemacht hat. So findet sich in der Vitrine vielleicht sogar absichtlich Vergessenes wie das lila Blüschen (noch mit Preisschild), ein Wagnis, das man für fünf Euro eingehen könnte. Es gibt Brillen, eine altmodische Uhr und ein wild gemustertes XL-Herrenhemd, das noch keinen Modemutigen gefunden hat. Sogar ein Eumex-ISDN-Gerät (zehn Euro) liegt verloren im obersten Fach. „Hier gucken oft dieselben Leute nach Schnäppchen“, hat Gabriele Götze gemerkt.

Die, die gucken sollten, tun’s hingegen nicht. Allein im Juli wurden zwölf Schlüsselbunde abgegeben, die wohl niemand vermisst. Die Ausbeute mehrerer Monate füllt ein Brett: fürs Auto, für Sicherheitsschlösser, mit Anhänger und ohne, mal ganz viele, mal nur einzelne. Da hilft das Internet wenig, die muss man sehen. Schlüssel werden letztlich natürlich nicht verkauft, sondern eingeschmolzen. Was die Stadt partout nicht los wird, werde gespendet oder vernichtet, sagt Anke Keller, stellvertretende Bürgeramtsleiterin.

Die Krise geht am Fundbüro nicht spurlos vorüber. Entweder passen die Leute besser auf ihre Sachen auf oder behalten Gefundenes. Jedenfalls gab’s 2009 noch 521 Fundstücke, in diesem Jahr sind’s bislang 243. Die 18 Gegenstände, die in den letzten 14 Tagen abgegeben wurden, findet man auf http://www.luedenscheid.de. Für den Rest lohnt sich ein Gang ins Bürgeramt. Auch auf die Gefahr hin, dabei etwas zu vergessen: ein Stockschirm, blau, steht hier seit dem 3. August.

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