Verkehrsplaner zu Gast bei Behindertenvertretern

Christian Hayer (rechts, Fachdienst Verkehrsplanung und -lenkung) wurde vor allem mit Problemen der Blinden konfrontiert.

Lüdenscheid - Eigentlich war ein Schwerpunktvortrag des städtischen Verkehrsplaners Christian Hayer geplant. Doch am Ende stand ein detaillierter Diskurs über spezielle Probleme blinder und sehbehinderter Menschen, gehalten von einem Betroffenen, Henning Schwartz.

Eine Erkenntnis des Treffens: Wenn man ständig miteinander im Gespräch bleibt, ist das besser, als seinen geballten Unmut in einer Sitzung – und noch dazu beim Falschen – anzubringen. Insofern ist die jetzt regelmäßige Einladung von Verwaltungsmitarbeitern in die Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen ein wichtiger Schritt, um Vorurteile abzubauen, Empfindlichkeiten und berechtigte Forderungen der einen Seite, aber auch konkrete Zuständigkeiten der anderen Seite besser kennenzulernen.

Christian Hayer zum Beispiel ist Ansprechpartner für alle Fragen der Barrierefreiheit, die es bei der Planung neuer Straßen und Wege zu berücksichtigen gilt. Am Beispiel der Mathildenstraße erläuterte er Begriffe wie Vermessung oder erster Entwurfs- und späterer Ausführungsplanung, die als „Fein-tuning“ zu verstehen sei. Hier gehe es um taktile Beläge oder Bordsteinhöhen-Kompromisse, durch die unterschiedliche Bedürfnisse etwa von Blinden und Rollatorfahrern berücksichtigt würden. Dass man trotz allen guten Willens Lüdenscheids Topographie nicht ändern, nicht barrierefrei machen kann, machte Hayer aber auch klar.

Begrüßt wurde die Nachricht, dass alle 27 Signalanlagen der Innenstadt erneuert und überplant würden, wobei es eine enge Rücksprache mit dem Beirat geben werde. Anlagen in den Außenbereichen folgten später.

Zudem wolle man eine Internetpräsenz zum Parken in der Stadt schaffen – inklusive der 21 Schwerbehindertenparkplätze. Die Behindertenvertreter sind nun gefordert zu erarbeiten, welche Infos sinnvollerweise aufgenommen werden (bedingt rollstuhlgeeignet, Breite u.ä.).

Dass sich bei solchen Gelegenheiten der „aufgestaute Frust vieler Jahre“ entladen kann, machte eine Rückmeldung von Dieter Rotter (Fachdienstleiter Bauservice) aus der Februar-Sitzung deutlich. Darauf ging die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Monika Schwanz noch ein. Dieter Rotter habe darauf hingewiesen, dass es schwierig sei, seit Jahren Bestehendes ändern zu wollen. Hilfreicher sei es, Probleme kurzfristig anzusprechen und realistische Vorschläge zu machen. Er habe sich jedenfalls „an den Pranger gestellt“ gefühlt. - sum

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