„Überall Sprengstoff“

Verkaufsverbot gilt doch: Rettungsdienstleiter aus MK bleibt auf Silvesterböllern sitzen

Silvesterraketen und Funken
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Symbolbild

Die Corona-Schutzverordnung und die Sprengstoffverordnung stürzen Kay-Jörg Kawi, Inhaber der Agentur Eventverleih MK an der Königsberger Straße, in ein Dilemma. Bereits im Februar hat er im Großhandel Silvesterfeuerwerk für 10 000 Euro geordert – und darf es jetzt nicht gewinnbringend weiterverkaufen.

Und: Kawi hat ein Imageproblem. Denn er ist nicht nur „Böller-Dealer“, sondern im Hauptberuf Chef der Kreisleitstelle Siegen-Wittgenstein der Feuerwehr. Und damit in einem Job, in dem er wissen muss, dass seine Rettungskräfte in der Silvesternacht keine Spreng- und Brandverletzten gebrauchen können.

„Auf der einen Seite Unternehmer, auf der anderen Seite Beamter“

In einem Artikel der Siegener Zeitung, die unter der Überschrift „Leiter der Kreisleitstelle wirbt für Feuerwerksverkauf“ über die Doppelrolle des Lüdenscheiders berichtet, sagte Kay-Jörg Kawi: „Auf der einen Seite bin ich Unternehmer, auf der anderen Seite Beamter. Ich trenne das.“

Sein Problem ist eher wirtschaftlicher Natur. Denn er hat die Ware nicht auf Kommission gekauft, sagt er. Und kann sie daher auch nicht zurückgeben. In seinem Lager, in dem sich Knaller mit Namen wie „Sitzpinkler“, „D-Böller Schinken“ oder auch „Corona 256 Schuss“ stapeln, neben der „Jetzt-erst-recht-Spartüte“ mit 215 Teilen für 60 Euro – dort wird kein Kunde etwas bekommen.

Dabei war der Ansturm groß. Seit zehn Jahren verkauft Kawi Feuerwerk, seit fünf Jahren wirbt er online für das Zeug. In diesem Jahr liegen Bestellungen aus ganz Deutschland vor, so der Eventspezialist. „Aus Hamburg, München, Berlin, zum Teil haben die Leute schon bezahlt.“

Erst Lieferung nach Lüdenscheid, dann Absage

Die Hoffnungen des Lüdenscheiders waren zunächst begründet. „Vor zwei Wochen war es eher noch unklar, da war nur von einem Verbot auf öffentlichen Plätzen die Rede.“ Kay-Jörg Kawi telefonierte also mit seinem Großhändler, legte den Liefertermin für die georderte Ware fest und füllte sein Lager. „Und zwei Tage später wurde alles abgesagt.“

Der Lüdenscheider warb weiter für seine „Riesen-Vulkane“, Raketen und Böller. „Am Mittwochmorgen wurde das Verkaufsverbot aus der Corona-Schutzverordnung rausgenommen.“ Noch schien das Geschäft zu klappen.

Dann der Anruf eines Sachbearbeiters des Regierungspräsidenten in Arnsberg: „Herr Kawi, stoppen Sie bitte Ihr Angebot.“ Er habe zwar keine Fehler gemacht, und alles sei „rechtens“, habe ihm der Anrufer bestätigt. Doch das Verbot, Feuerwerksartikel abzugeben, finde sich nun in der Sprengstoffverordnung. „Am Freitag ist die Verordnung im Bundesrat.“

Jetzt, sagt der Lüdenscheider, läge im Großhandel, bei Lieferanten, Transportsdiensten und Händlern „massenweise Sprengstoff“ herum. Genügend Bunker gebe es nicht dafür. Eine weitere Gefahr sieht Kay-Jörg Kawi im Import verbotener „Polen-Böller“. Und die können seinen Leuten im Rettungsdienst mehr Stress als nötig bereiten.

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