Verhandlung gegen mutmaßliche Brandstifter

LÜDENSCHEID ▪ Vor einer Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen müssen sich seit gestern zwei junge Männer wegen des Vorwurfs der gefährlichen Brandstiftung verantworten. In der Nacht von 21. zum 22. Februar 2011 hatte es nach Kellereinbrüchen in Häusern an der Römergasse und an der Corneliusstraße gebrannt.

Ein 20-jähriger Angeklagter erhob schwere Vorwürfe gegen seinen 22-jährigen Mitangeklagten: Dieser habe ein Feuerzeug eingesetzt, um Fingerabdrücke zu beseitigen. Der 22-Jährige schwieg zu den Vorwürfen. Das Entsetzen jener Nacht brachte eine 59-jährige Bewohnerin des Hauses Römergasse 2 am deutlichsten zum Ausdruck: „Wir hatten Todesangst und Angst um unsere Existenz.“ Es sei entsetzlich, „dass es Menschen gibt, die ein Haus anzünden, in dem alles aus Holz ist.“ Bis in ihre Wohnung sei die dicke Rußschicht gezogen, vier Wochen lang habe sie in einem Hotel gewohnt, berichtete die Zeugin, die sich „lebendig gefangen in diesem Haus“ fühlte. Auch andere Zeugen bestätigten, dass die Situation in den beiden brennenden Häusern sich weitaus dramatischer darstellte, als dies von außen erkennbar war: Die entstandenen Schwelbrände mit starker Rauchentwicklung versperrten den Bewohnern den Fluchtweg nach draußen. Erwachsene krochen über den Boden nach draußen oder schützten sich mit nassen Tüchern vor den gefährlichen Rauchgasen. Dazu kam die Dunkelheit, weil der Brand die Stromversorgung unterbrochen hatte.

Die Kinder hatten es am schwersten: Vier aus dem Haus an der Römergasse wurden vorübergehend in die Klinik gebracht. Insgesamt 15 Menschen gelangten aus eigener Kraft nach draußen oder wurden von der Feuerwehr aus dem Haus evakuiert. Am entspanntesten sah ein Bewohner im Dachgeschoss die Lage: Er hatte sich aus Sicherheitsgründen eine Brandschutztür einbauen lassen und wartete hinter dieser „Tür mit Gummierung“, bis ihn die Feuerwehr nach drei Stunden über eine Drehleiter „rausholte“.

Eine Bewohnerin berichtete von schlimmen Folgen der Rauchvergiftung: Anderthalb Wochen sei sie in der Klinik geblieben und bis heute leide sie an Lungenproblemen. „Ich konnte ein halbes Jahr keinen Sport machen.“ Aus dem Haus Corneliusstraße 21 wurden 17 Bewohner evakuiert, 13 von ihnen erlitten Verletzungen durch Rauchgase.

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