Verfallsdatum abgelaufen: Beleidigung wegen Butter

Lüdenscheid - Er gibt als Beruf „Musiker“ an und ist bemüht, kultiviert und höflich zu wirken. Der 34-jährige Iraner hat einen Asylantrag gestellt und wartet auf Anerkennung. Aber erstmal muss er sich vor Strafrichter Thomas Kabus wegen des Vorwurfs der Beleidigung verantworten. Eine ehrenamtliche Helferin in der Flüchtlingsunterkunft „Nutte“ zu nennen, war gar nicht so vornehm.

Doch der schlanke Herr – er hat Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt – streitet ab. Er habe auf Bitte eines Mitbewohners in der Kantine der Unterkunft „den Dolmetscher gespielt“, beteuert er. Zwar könne er kein Deutsch, aber er spreche Griechisch. „Ich habe zwölf Jahre da gelebt.“ Und die beleidigte Kantinenhilfe ist gebürtig aus Griechenland. Die Verständigung klappte also.

Bei dem Streit geht es um Butter. Die wird portionsweise verpackt zum Frühstück gereicht. Das Verfallsdatum ist am Vorabend abgelaufen. Die Zeugin erinnert sich: „Da hat er die Butter auf den Tisch geschmissen und gefragt, ob wir ihn vergiften wollen.“ Und er habe „Scheiß-Deutschland“ gesagt, alle Frauen in Deutschland seien Nutten. „Und dann hat er ‘Du Nutte’ zu mir gesagt.“ Auf Griechisch. Die Zeugin übersetzt das Wort. Der Angeklagte schüttelt den Kopf.

Seine Ausflüchte nehmen an Verworrenheit und Lautstärke zu. Er spreche übrigens auch amerikanisches Englisch, lässt er den Übersetzer übersetzen. Richter Kabus hebt die Augenbrauen. Der 34-Jährige sagt: „Da ist in den ersten fünf Wörtern eines Satzes immer ein Schimpfwort dabei.“ Dann nennt er noch eine griechische Vokabel, die ähnlich klingt wie der inkriminierte Begriff. Er sei falsch verstanden worden. Es bleibt zwecklos. Die Staatsanwältin schnappt den Musiker an: „Wenn Sie den Einspruch zurücknehmen, wird’s günstiger.“

Der Angeklagte bleibt bockig. „Warum? Erklären Sie das, bitte!“ Er hat Glück, dass der Richter die sonstigen deutschfeindlichen Schimpfwörter, die die Zeugin zitiert, nicht bewertet. Die Zeugin: „Der wird von diesem Land beschützt und sagt solche Sachen.“ Der Richter: „Das ist hier nicht angeklagt.“

Der Strafbefehl lautete auf 150 Euro Geldstrafe. Die Staatsanwältin beantragt nun 225 Euro. Das ist Richter Kabus zu viel. Das Urteil lautet: 100 Euro wegen Beleidigung.

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