Plädyers von Staatsanwalt und Verteidiger

Spielhallen-Räuber: Strafen unter fünf Jahren gefordert

+
Symbolbild

Hagen - Mit den Plädoyers von Staatsanwalt Jörn Esken und der vier Strafverteidiger bog das Verfahren gegen vier Spielhallen-Räuber aus Lüdenscheid und Meinerzhagen am Freitag auf die Zielgerade ein.

Der Vertreter der Anklage ließ die Ereignisse vor dem Landgericht Hagen noch einmal Revue passieren: „Mitte September 2016 kamen die Angeklagten auf die Idee, ihre finanziellen Probleme durch den Überfall auf eine Spielhalle zu lösen.“ Daraus wurden letztlich vier Überfälle in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen. 

Ausgerechnet die beiden jüngsten Angeklagten (20) waren an allen vier nächtlichen Überfällen beteiligt. Der Staatsanwalt beantragte ihre „unumgängliche“ Verurteilung nach Jugendstrafrecht – drei Jahre und zehn Monate. 

Lesen Sie hier alles über den Fall

Knapp oberhalb der Grenze zum Erwachsenenstrafrecht lag zum Tatzeitpunkt ein heute 22-jähriger Mittäter, der keine Chance mehr hatte, in den Genuss des Jugendstrafrechts zu kommen. Für ihn, der an zwei der vier Raubüberfälle beteiligt gewesen war, beantragte der Staatsanwalt eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. 

Chancen auf eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung hat nur der älteste der vier Angeklagten. Der 24-Jährige hatte Tatorte ausgekundschaftet und Schmiere gestanden. Da er nicht an der Bedrohung der Opfer beteiligt gewesen war und einem Opfer eine Entschädigung gezahlt hatte, hielt der Staatsanwalt eine zweijährige Bewährungsstrafe für vertretbar. 

Umfassende Geständnisse

Als Grund für die „recht milden Strafen, mit denen alle Angeklagten relativ gut wegkommen“, nannte Jörn Esken ihre umfassenden Geständnisse, die teilweise sogar dazu beitrugen, dass weitere Mittäter gefasst werden konnten. Dazu kamen die Alkohol- und Drogenprobleme als Ursache des Geldmangels, der letztlich die abenteuerliche Idee hervorbrachte, gierigen Geldspielautomaten mit Gewalt zu Leibe zu rücken. 

Die Versuche, sich bei den Opfern der Überfälle zu entschuldigen, waren zwar größtenteils gescheitert, doch der gute Wille war offenbar bei allen vier Tätern da. 

Die Verteidiger bemühten sich um weitere Korrekturen an den vorgebrachten Strafminderungsgründen, die die Anträge des Staatsanwalts bereits deutlich unter die Mindeststrafe von fünf Jahren für einen erwachsenen Räuber getrieben hatten. Schwierige Familiengeschichten, früher Rauschgiftkonsum, mangelnde Reife und die objektive Ungefährlichkeit der eingesetzten und angeblich nicht geladenen Gaspistole waren die Stichworte, die bemüht wurden, um das Strafmaß im Sinne der Angeklagten zu drücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.