Hochwasser

Vereinshalle in Brügge überflutet: Trägerverein unter Schock

Vereinsvorsitzender Helmut Wehberg hofft, dass der Betrieb der 350 Menschen fassenden Halle in Brügge weitergeht.
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Vereinsvorsitzender Helmut Wehberg hofft, dass der Betrieb der 350 Menschen fassenden Halle in Brügge weitergeht.

Ob Zierfischbörse, Kleintierschau, Chorkonzert oder Schützenfest – die Brügger Vereinshalle ist gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortsteils an der Volme. Ob das so bleibt, ist seit der Flutkatastrophe am Mittwoch fraglich.

Lüdenscheid – Der Trägerverein, der das stadteigene Bauwerk unterhält, steht unter Schock. Vorsitzender Helmut Wehberg sagt: „Wir müssen versuchen, die Halle zu halten, sonst hat Brügge gar nichts mehr.“

Das Hochwasser stand am Mittwochabend rund einen halben Meter hoch in dem 350 Menschen fassenden Saal und den angrenzenden Räumen. Saal, Theke, Lager, Küche – eine dicke Schlammschicht ist nach stundenlanger Arbeit des Technischen Hilfswerks mit seinen Pumpen zurückgeblieben und macht eine baldige Nutzung unmöglich.

Nach langer Zwangspause durch die Corona-Pandemie hatten Wehberg und seine Mitstreiter Hoffnung, dass durch die aktuellen Lockerungen wieder Veranstaltungen stattfinden können – und endlich wieder Einnahmen fließen. „Für September hatte schon jemand gebucht, das haben wir jetzt natürlich abgesagt.“ In diesem Jahr, befürchtet der Vorsitzende des Trägervereins, „wird die Halle sicher nicht fertig“.

Wehberg schätzt die Höhe des entstandenen Schadens auf mindestens 100 000 Euro. Und wartet gespannt auf die Nachricht aus dem Rathaus, ob das Gebäude gegen Hochwasserschaden versichert ist.

Mitglieder des Trägervereins sind wiederum Vereine, etwa der MGV Union Oberrahmede, in dem auch Männer des inzwischen aufgelösten Brügger Chores Philomele singen. „Der MGV Othlinghausen wollte Mitglied werden“ – und der kleinbäuerliche Hof Woeste aus dem Mintenbecker Tal habe auch schon Interesse bekundet. „Jetzt steht alles in den Sternen.“ Er habe noch versucht, die Notensätze der Chöre zu retten – „keine Chance“.

Im Keller unter der Halle probte die Band Swing Partners, bekannt vom Stadtfest und aus vielen Kneipenkonzerten. Das komplette Equipment der sieben Musiker ist seit Mittwoch zerstört. Das Wasser stand bis zur Kellerdecke. Verstärker, Gesangsanlage, Musikinstrumente, Schlagzeug, Mischpult – alles unbrauchbar.

Friedhelm „Tiepel“ Schulte (links) und Stephan Masloff von den Swing Partners räumen ihren Probenraum im Keller der Brügger Vereinhalle aus.

Keyboarder Friedhelm „Tiepel“ Schulte (75) hatte sich auf das große Abschiedskonzert zum 60-jährigen Bestehen der Band gefreut. Jetzt räumt er mit Schlagzeuger Stephan Masloff die durchnässten Trümmer aus dem Keller – und versucht, tapfer zu klingen. „Die Flut hat Menschenleben gekostet, wir haben nur unsere Ausrüstung verloren.“ Damit, befürchten die Musiker, könnte das Ende der Swing Partners möglicherweise besiegelt sein.

In die Trauer darüber mischt sich die Freude über eine wärmende Begegnung. Als „Tiepel“ in seinen nassen und verdreckten Klamotten zum letzten Mal aus dem Keller steigt, spricht ihn ein etwa 35 Jahre alter Mann an. „Ich habe meine Gummistiefel dabei und bis heute Nachmittag Zeit. Wie kann ich helfen?“

Für den guten Mann bleibt genug zu tun. Der Trägerverein Brügger Vereinshalle kann dringend Hilfe gebrauchen. Damit Brügge seinen gesellschaftlichen Mittelpunkt nicht endgültig verliert.

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