Karl Klauke, ein mutiger Mensch

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Hella Goldbach und Matthias Wagner telefonierten am Freitag mit einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte Yad Vashem, um für Karl Klauke als einen „Gerechter unter den Völkern“ zu werben.

Lüdenscheid - Als Matthias Wagner kürzlich in der LN-Wochenendausgabe eine Sonderseite über die „Gerechten unter den Völkern“ las, fiel ihm sofort Karl Klauke ein. An dessen Geschichte, die von Mut und Menschenwürde erzählt, erinnert im Alten Rathaus in den alten Haftzellen eine Informationstafel.

Der gebürtige Valberter (1870 bis 1948) war Schreiner und vermietete in seinem Haus an der Schützenstraße eine Wohnung an den Juden Josef Stern. Das passte Klaukes Schwiegersohn, der ebenfalls im Haus wohnte und Mitglied der SA war, überhaupt nicht. Er bedrängte seinen Schwiegervater, den Juden endlich „rauszuschmeißen“. Als Karl Klauke sich nicht beirren ließ, zeigte ihn der Schwiegersohn als „Judenfreund“ an. Ein Sondergericht in Dortmund verurteilte ihn zu einem Jahr und zwei Monaten Zuchthaus. Klauke verbüßte seine Strafe im Lazarett des Zentralgefängnisses in Bochum. Josef Stern selbst war schon am 7. Mai 1940 an akutem Herzversagen verstorben. Klauke starb im August 1948 – „ein kranker Mann, der nicht bereit war, die Prinzipien der Menschlichkeit zu verraten, um den Demütigungen und Qualen der Haft zu entgehen“, wie es auf der Informationstafel heißt.

„Bis heute sind nur wenige Einzelgänger bekannt, die die Menschenwürde verteidigten, um sich nicht selbst als Mensch aufzugeben und zu verraten. Zu ihnen zählt Karl Klauke“, betont Matthias Wagner. Gemeinsam mit Hella Goldbach, Repräsentantin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und Mitglied des Vereins, setzt er sich dafür ein, dass Karl Klauke für sein Engagement die Anerkennung als „Gerechter unter den Völkern“ erfährt.

Am Freitag telefonierten die beiden bereits mit einer Mitarbeiterin der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. „Dafür müssen viele Dokumente beigebracht werden. Eine Kommission entscheidet dann schließlich darüber, ob Karl Klauke in diesen Kreis aufgenommen wird“, erklärte Hella Goldbach. In Deutschland gibt es laut Stand aus dem Jahre 2012 mehr als 500 „Gerechte unter den Völkern“. Yad Va-shem ehrt nichtjüdische Menschen, die während des Zweiten Weltkrieges Juden das Leben gerettet haben. Eine „Allee der Gerechten“ wurde angelegt. Da inzwischen kein Platz mehr ist für neue Bäume, werden seit Ende 1990 Gedenktafeln an einer Wand aufgehängt – vielleicht irgendwann auch eine, die an Karl Klauke erinnert.

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