Rathaustunnel bleibt gesperrt

Verdacht: Tunnelsperrung sorgt für erhöhte Stickoxide auf Umleitungsstrecken

Autoabgase an der Bahnhofstraße.
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Autoabgase an der Bahnhofstraße.

Nach Beschwerden von Anwohnern der Bahnhofstraße, die seit Monaten eine erhöhte Lärm- und Staubbelastung beklagen, haben die Lüdenscheider Linken der Stadtverwaltung einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt. Aus den Antworten leiten die Linken die Forderung nach Luftschadstoff-Screenings an mehreren Lüdenscheider Verkehrsadern ab.

Lüdenscheid – Durch die langfristige Sperrung des Rathaustunnels wird ein Großteil des innerstädtischen Verkehrs derzeit über die Bahnhofstraße abgeleitet, auch Weststraße und Sauerfelder Straße müssen mehr Verkehr aufnehmen. Die Anwohner bekommen die Folgen unmittelbar zu spüren, führen die Linken aus. Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Staub. Aus Sicht der Partei ist das aber nur eine Seite Medaille. Für sie liegt der „Verdacht nahe, dass dort eine Erhöhung der Schadstoffwerte (Feinstaub, Stickstoff-Oxide usw.) vorliegt.“ Gesundheitliche Beeinträchtigungen der Anwohner seien nicht auszuschließen.

Die Linken beantragen daher, dass die Stadtverwaltung mit Hilfe eines Computerprogramms ein Luftschadstoff-Screening für sieben Straßenabschnitte durchführt.

  • Bahnhofstraße ab der Einmündung Friedhofsstraße bis zum Ende (Einmündung Mathildenstraße)
  • Hochstraße ab dem Johannes-Busch-Haus bis zum Bräuckenkreuz
  • Herscheider Landstraße ab der Einmündung Paulmannshöher Straße bis zum Bräuckenkreuz
  • Bräuckenstraße ab der Einmündung Nottebohmstraße bis zum Bräuckenkreuz
  • Weststraße komplett
  • Sauerfelder Straße ab Einmündung Jockuschstraße bis zum Rathaustunnel
  • Werdohler Straße komplett

Das Programm wird den Kommunen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) für eine erste Einschätzung der Luftqualität zur Verfügung gestellt. Sollten die Berechnungen an Grenzwerte heranreichen, könnte das Lanuv an den betroffenen Straßen eine Messstation installieren, in der unter anderem Feinstaub- und Stickoxid-Konzentration überprüft werden. Das ist in Lüdenscheid schon einmal passiert.

Aufgrund von Hinweisen aus einem solchen Screening stellte das Lanuv 2015 an der Lennestraße für zwölf Monate eine Messstation auf. Die in der Theorie ermittelten Werte bestätigten sich vor Ort allerdings nicht. Fachbereichsleiter Martin Bärwolf stellte die damaligen Ergebnisse in der gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Stadtplanungsausschuss am 9. Dezember noch einmal vor. Demnach lagen die Werte beim Feinstaub mit 21 Mikrogramm pro Kubikmeter unter dem zulässigen Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm.

Witterungsbedingt kam es in den ersten Monaten des Jahres zu acht Überschreitungen des Tagesmittelwertes, zulässig sind jedoch 35 Überschreitungen. Bei dem Messwert Stickstoffdioxid betrug der gemessene Jahresmittelwert 35 Mikrogramm und lag damit ebenfalls unter dem zulässigen Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm. Das Stundenmittel von 200 Mikrogramm wurde einmal überschritten, zulässig sind 18 Überschreitungen pro Jahr. Das Lanuv baute die Messstation wieder ab, konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität wie Durchfahrtsbeschränkungen oder Fahrverbote musste die Stadt nicht ergreifen.

Aus Sicht der Linken ist die aktuelle Situation mit 2015 allerdings nicht mehr vergleichbar: „Die Rahmenbedingungen für eine saubere Luft in Lüdenscheid haben sich, bedingt durch die einseitige Sperrung des Rathaustunnels und das weiterhin gestiegene Verkehrsaufkommen sowie durch die Auswirkungen des Klimawandels verändert“, begründet Linken-Fraktionschef Jupp Filippek den Antrag an Umwelt- und Klimaschutzausschuss.

Bereits in der vorgeschalteten Anfrage hatten sich die Linken bei der Stadt erkundigt: „Welche Maßnahmen will die Verwaltung ergreifen, um das hohe Verkehrsaufkommen umwelt- und klimagerecht zu eliminieren?“ Die Antwort von Martin Bärwolf verwies auf das Klimaschutzpaket: „Die Verwaltung beabsichtigt die Förderung der Nahmobilität (Fuß-/Radverkehr) sowie des ÖPNV zu intensivieren, um so die Bürgerinnen und Bürger zur Wahl nachhaltiger Verkehrsmittel zu animieren.“ Bärwolf lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass die Stadt Lüdenscheid eine mögliche Verkehrswende nicht gegen den Willen der Bürger durchsetzt. „Den Mobilitätsbedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger“ solle dabei Rechnung getragen werden.

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