Verdacht der Bestechung: Zwei Männer sollen Klinikum Lüdenscheid um 600.000 Euro gebracht haben

Baustelle mit Rohrleitungen
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Vor allem bei den Bauarbeiten für den neuen OP-Trakt des Klinikums – hier ein Archivbild von 2016 – fielen zahllose Handwerkerstunden an.

Gewerbsmäßiger Betrug in 76 Fällen, vielfache Fälschung von Abrechnungen, Bestechung und Bestechlichkeit – der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hagen steht ein aufwendiger Prozess bevor. Hintergrund des Verfahrens sind Vorgänge im Klinikum Hellersen.

Lüdenscheid - Hier soll der Mitinhaber eines Klempnerbetriebs durch Gaunereien einen Schaden in Höhe von mindestens 600 000 Euro verursacht haben. Ein damaliger Angestellter des Klinikums steht im Verdacht, dem Handwerker geholfen und kräftig mitverdient zu haben. Der Prozessauftakt ist für Dienstag geplant.

Wie die Pressestelle des Landgerichts mitteilt, gab es zwischen dem Heizungs- und Sanitärunternehmen und dem Klinikum eine langjährige Geschäftsbeziehung. Der Hauptangeklagte übernahm 2013 den Handwerksbetrieb mit einem Kollegen. Seit dieser Zeit, so der Staatsanwalt, habe der heute 53-Jährige ohne Wissen seines Kompagnons falsch mit dem Klinikum abgerechnet.

Laut Ermittlungsakte rechnete er nicht erbrachte Leistungen ab, schrieb gleich mehrere Rechnungen für nur eine einzige erbrachte Arbeit oder rechnete Monteurstunden doppelt ab.

Neues privates Badezimmer mutmaßlich über Klinik abgerechnet

Offenbar funktionierte das System jahrelang reibungslos, weil der Klempner einen Gehilfen in einer kaufmännischen Abteilung des Klinikums hatte. Der Mitangeklagte, ein 39-Jähriger aus Lüdenscheid, hat seinem Bekannten nach Überzeugung der Fahnder in 30 Fällen geholfen. Obwohl er wusste, dass die Abrechnungen nicht korrekt und teils drastisch überhöht waren, zeichnete er laut Anklage eine ordnungsgemäße Erbringung der Handwerkerleistungen ab.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Andreas Behrens will außerdem dem Vorwurf eines gemeinschaftlichen Betruges der beiden Angeklagten auf den Grund gehen. Wie das Landgericht mitteilt, sollen sie den Einbau eines privaten Badezimmers in der Wohnung des 39-Jährigen für 16 000 Euro über das Klinikum abgerechnet haben.

Das Strafgesetzbuch sieht im Falle einer Verurteilung des Hauptangeklagten, verteidigt von Rechtsanwalt Dominik Petereit, einen Strafrahmen von bis zu zehn Jahren vor. Auf Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug stehen Strafen von bis zu siebeneinhalb Jahren. Der 39-Jährige lässt sich von Rechtsanwalt Karl-Werner Lohmann verteidigen. Die beiden Männer sind nicht vorbestraft.

In einem zivilrechtlichen Streit über Schadensersatzforderungen der Klinikleitung gegenüber dem Handwerker verhandeln deren Rechtsanwälte seit Monaten über einen Vergleich. Nach LN-Informationen steht eine Einigung kurz bevor.

Die Hauptverhandlung beginnt am Dienstag um 9.30 Uhr im Saal 101 des Hagener Landgerichts. Es sind zwölf Prozesstage geplant. Das Urteil wird für den 16. April erwartet.

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