Verbraucherzentrale: Hochkonjunktur für Abzocker

Magdalena Ermert.

Lüdenscheid - Dubiose Mahnschreiben mit angeblichen Forderungen und Smartphone-Kostenfallen beweisen, dass auch 2012 Hochkonjunktur für Abzocker geherrscht hat. Dies erklärte Magdalena Ermert, Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale für Lüdenscheid und Umgebung, bei der Vorstellung des Jahresberichts.

„Wir hatten auch im vergangenen Jahr wieder Verbraucherbeschwerden über unseriöse Anbietermaschen zuhauf.“ Ermert führte einige Beispiele zu den betrügerischen Mahnschreiben an:

- Da verlangte ein Anwalt aus Athen im Auftrag der Lottospielgemeinschaft „Maxi Tip Ltd.“ 122,50 Euro für die vermeintliche Teilnahme am Gewinnspiel, die innerhalb von sieben Tagen auf ein Konto in Griechenland zu überweisen waren.

- Eine betrügerische Zahlungsaufforderung legte die Firma „Toma Inkasso“ verdutzten Verbrauchern als vorösterliche Überraschung ins Nest: In der Post aus Tschechien wurden den Briefempfängern 176,81 Euro für vermeintliche Erotik-Dienste am Telefon abverlangt. Wer den Betrag nicht innerhalb von fünf Tagen überweise, dem drohte der Absender weitere Zwangsmaßnahmen wie Mahnbescheid, Lohnpfändung oder die Mitteilung an die Schufa an.

- Ebenso kursierten Schreiben wegen offener Forderungen der „Euro Gewinner Zentrale“ durchs Land: Mit „letzten Mahnungen“ versuchte das „Mahnungs-Büro Ries“, vermeintliche Außenstände bei arglosen Verbrauchern einzutreiben. In „vertraulichen Schreiben“ wurde behauptet, dass der Kostenbeitrag für die Teilnahme am Service der „Euro Gewinner Zentrale“ in Höhe von 49 Euro noch nicht beglichen worden sei. Für viele Empfänger angsteinflößend: Wenn die Gesamtforderung für die dreimonatige Teilnahme mitsamt Mahnkosten und Auslagepauschale von insgesamt 159,90 Euro nicht gezahlt werde, drohten Verzugszinsen sowie eine Meldung an die Schufa.

„Bei Gewinnen niemals eine Zahlung“

Die Beratungsstellenleiterin stellte klar, dass es bei Gewinnen jedweder Art niemals eine Zahlung gebe: „Wer etwas gewonnen hat, muss dafür nicht zahlen – keine Briefmarke, keinen Rückruf oder sonstige Zuschläge und Gebühren. So hat es der Europäische Gerichtshof im Oktober 2012 entschieden.“

Internet: Buttonlösung zeigt Wirkung

Während in den vergangenen Jahren Anfragen zu ungewollten Internetabos die Beratungsstatistik geprägt hätten, sei hier seit der Buttonlösung im August 2012 ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, sagte Ermert. Seitdem müssten Unternehmen den Verbraucher nämlich unmittelbar vor Absenden der Bestellung deutlich über das Produkt, den Gesamtpreis, Versand- und Zusatzkosten sowie die Vertragslaufzeit informieren. Außerdem müsse ein Bestellbutton mit einer Beschriftung wie „zahlungspflichtig bestellen“ eindeutig auf die Kostenpflicht hinweisen, da sonst kein wirksamer Vertrag zustande komme.

Per Smartphone leicht in Kostenfalle

„Das bedeutet aber keineswegs Entwarnung“, erklärt die Beratungsstellenleiterin, „denn alte Maschen werden nun bei Bestellungen über Smartphones versucht. Bei diesen müssen Verbraucher sich häufig nicht einmal registrieren, um in eine Kostenfalle zu tappen. Bereits ein – unbeabsichtigter – Klick auf einen Werbebanner kann dazu führen, dass kostenpflichtige Leistungen (Abo) heruntergeladen und per ‘Wap-Billing’ über die Handyrechnung eingezogen werden. Verbraucher merken dies häufig erst dann, wenn der gewohnte Rechnungsbetrag deutlich und ohne ersichtlichen Grund überschritten wird.“

Ermert verweist aber darauf, dass auch bei Smartphone-Fallen die Buttonlösung gelte. „Sollte der Vertrag über ein Werbebanner zustande gekommen sein, sind die Forderungen der Firma unberechtigt.“ - wok

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare