Expertin rät: „Nicht einschüchtern lassen“

Inkasso-Forderungen zu hoch? Das sagt die Verbraucherberatung

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Magdalena Ermert, Leiterin der Verbraucherberatung, warnt vor überhöhten Inkasso-Gebühren.

Lüdenscheid - Inkassounternehmen genießen keinen guten Ruf. Raubrittertruppe, fragwürdige Methoden, überhöhte Geldforderungen, lauten die Vorwürfe. Magdalena Ermert, Leiterin der Verbraucherzentrale in Lüdenscheid, sagt: "Nicht alles, was in den Vereinbarungen vorgelegt wird, muss akzeptiert und unterschrieben werden." Aber: Ignorieren sollte man die Inkasso-Post auf keinen Fall.

Inkassounternehmen gelten in den Augen vieler Verbraucher als moderne Raubrittertruppe, die der Kundschaft mit fragwürdigen Methoden die Daumenschrauben anlegt, um überhöhte Geldforderungen durchzudrücken. Magdalena Ermert, Leiterin der Verbraucherzentrale in Lüdenscheid, rät zum genauen Hinsehen. Ignorieren sollte man die Inkasso-Post auf keinen Fall.

Wer fleißig mit dem neuesten Smartphone telefoniert, aber die Handy-Rechnungen nicht begleicht, die aktuelle Mode bestellt, den Überweisungsträger jedoch unbeachtet in der Schublade verschwinden lässt, erhält immer häufiger Post von einem Inkassounternehmen. „Die schießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt Ermert. Ebenso reicht eine zurückgewiesene Lastschrift, weil Gehalt oder Sozialleistung noch nicht auf dem Konto waren, oder ein Zahlendreher auf der Überweisung, durch den die Zahlungsfrist nicht eingehalten wird. 

„Horrende Gebühren und Drohungen mit Gerichtsvollziehern, Schufa-Einträgen und sogar Haftbefehlen sind keine Seltenheit.“ Die durch Verzug entstehenden Kosten dürfen nicht „unnötig aufgeblasen“ werden. Allerdings: „Feste Regeln, wie hoch die Kosten eines Inkassobüros sein dürfen, gibt es leider nicht.“ Die meisten Unternehmen orientierten sich an Rechtsanwaltskosten für einen durchschnittlich schweren Fall.

Zu hoch, sagen die Verbraucherschützer und nehmen eine einfache Juristentätigkeit als Grundlage. Beispiel: Bei einer offenen Rechnung bis 500 Euro dürfe das Inkassobüro 27 Euro ansetzen. Verlangt würden häufig aber 70 Euro und mehr. Bei einer Warenlieferung von knapp 54 Euro summierte sich der geforderte Betrag mit Mahnauslagen, Adressanfragen Geschäftsgebühr auf fast das Dreifache. „Berechtigte Forderungen müssen Verbraucher auch bezahlen. Auch bei Kleinstbeträgen werden deshalb die 27 Euro fällig.“

Weitere Gebühren für Telefonate, Briefe oder Kontoführungen müssten hingegen nicht bezahlt werden. Wer knapp bei Kasse sei, nehme häufig Ratenzahlungen in Anspruch. Doch ihre Zustimmung ließen sich die Büros häufig teuer vergüten. „Bei Forderungen von bis zu 500 Euro schlagen nicht selten 81 Euro an weiteren Gebühren zu Buche.“ Magdalena Ermert: „Nicht alles, was in den Vereinbarungen vorgelegt wir, muss akzeptiert und unterschrieben werden.“

Lohnabtretungen ohne Gerichtsbeschluss sollten ebenso wenig akzeptiert werden wie die viel zu hohen Kosten in der Gesamtforderung. Verbraucher sollten sich auf keinen Fall einschüchtern lassen, aber vertraglichen Verpflichtungen (Handy, Strom, Konsumgüter) nachkommen, um erst gar nicht in missliche Lagen zu geraten. Abzocke werde es, wenn unklare Forderungen – etwa aus untergeschobenen Verträgen am Telefon – erhoben würden. „Pro Woche“, sagt Magdalena Ermert, „haben wir zwei neue Kunden mit Inkassoschreiben in der Beratungsstelle.“ Auch bei kleineren Beträgen würden heute die Forderungen eingetrieben.

Inkassounternehmen dürfen übrigens nur dann tätig werden, wenn sie beim zuständigen Land- oder Oberlandesgericht registriert sind. Die jeweilige Behörde sowie die Registrierung findet man unter www.rechtsdienstleistungsregister.de.

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