Verbalattacke: Unfrieden auf dem Friedhof

Lüdenscheid - Der Mann auf der Anklagebank im Amtsgericht ist eigentlich erst 56 Jahre. Doch er wirkt deutlich älter. Das Leben hat bei ihm Furchen hinterlassen. Nicht nur im Gesicht. Vor einiger Zeit ist seine Lebengefährtin gestorben. Er muss seine Existenz mit Hartz IV bestreiten. Eine Betreuerin hilft ihm bei der Bewältigung des Alltags. Ein armer Teufel.

Vor Gericht musste sich der Bergstädter am Dienstag deshalb verantworten, weil er zusammen mit einem ebenfalls vom Leben gebeutelten Bekannten im März diesen Jahres auf dem Friedhof Piepersloh eine Gärtnerin und ihren Kollegen beleidigt haben soll. „Ihr seid der letzte Dreck.“ Dies und Schlimmeres soll den Pflanzen-Pflegern dabei an den Kopf geworfen worden sein. Bei der Verhandlung stellte sich aber heraus: Nicht der Angeklagte, sondern sein abwesender Kamerad hat die Verwünschungen ausgesprochen. Konsequenz: Verfahrenseinstellung.

Richter Andreas Lyra erinnerte zugleich an die menschliche Tragik des Falls. Denn seit dem Tod seiner Gefährtin verbringt der 56-Jährige jeden Tag an deren Grab auf dem Friedhof Piepersloh. Vom Morgen bis zum späten Abend, bei Wind und Wetter. Konflikte mit den Gärtnern sind die Folge. Es geht um das verbotene Betreten von Grünflächen und das Ablegen von Blumen. Richter Lyras Rat an den 56-Jährigen: „Halten Sie sich an die Friedhofsregeln. Und bewegen Sie sich bei Kälte, damit Sie nicht krank werden.“ - dt

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