Vater würgte seine vier Monate alte Tochter

LÜDENSCHEID ▪ Mit einem Teilgeständnis begann gestern vor dem Hagener Schwurgericht der Prozess gegen einen 25-jährigen Lüdenscheider, der seine vier Monate alte Tochter am 7. Januar 2011 mindestens zwanzig Sekunden lang gewürgt haben soll.

 So jedenfalls steht es nach entsprechenden ärztlichen Befunden in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, die dem jungen Mann versuchten Totschlag vorwirft. „Gequält und roh misshandelt“ habe er das Kind. Der 25-Jährige selbst räumte das Würgen gestern vor Gericht ein – beschränkte die Dauer allerdings auf drei bis sechs Sekunden und bestritt jegliche Tötungsabsicht. Die geladenen ärztlichen Sachverständigen, die die Würgemale am Hals des Kindes und „Einblutungen unterhalb der Augenlider“ in Augenschein genommen hatten, durften dazu gestern nicht aussagen, weil sich überraschend herausstellte, dass auch der angeklagte Kindsvater als Mitsorgeberechtigter die Aussageerlaubnis hätte erteilen müssen. Das aber war rechtlich nicht möglich.

Zu den Ereignissen vom 7. Januar und dem vorangegangenen Familienleben nahm der Angeklagte dafür umso ausführlicher Stellung. Im Sommer 2010 hatte er die Kindsmutter kennengelernt, drei Monate später war sie schwanger. Die beiden beschlossen, „dass wir das gemeinsam durchstehen“, zogen zusammen und waren arbeitsteilig mit den zuweilen aufreibenden Bedürfnissen eines Säuglings konfrontiert. Am Tattag hatte das Kind rund anderthalb Stunden geschrien – „schlimmer als sonst“, wie der Angeklagte bestätigte. „Ich habe ihr an den Hals gefasst, weil ich wollte, dass sie aufhört zu schreien“, gab er zu. Und schränkte ein: Ich bin mir 100-prozentig sicher, dass es nur ein paar Sekunden waren – fünf bis sechs.“ „Eine große Kluft“ sah der Vorsitzende Richter Dr. Schreiber zwischen dieser Aussage und der Schilderung eines zuvor relativ harmonischen Familienlebens durch den 25-Jährigen.

Diesen Eindruck relativierte die Aussage der 20-jährigen Kindsmutter, die nach Zeiten, in denen der Kindsvater den Säugling betreut hatte, wiederholt blaue Flecken am Kind festgestellt hatte. Sie zwang ihn daraufhin, eine Drogenentzugstherapie zu machen, weil sie in seinem regelmäßigen Haschischkonsum einen möglichen Grund für die Übergriffe sah. Das brachte eine vorübergehende Entspannung – bis zum bitteren 7. Januar: „Mit der rechten Hand würgte er die Kleine so feste, dass sich seine Finger schon weiß verfärbten“, erinnerte sich die Mutter gestern. Mit aller Macht hatte sie seinem Treiben ein Ende gesetzt. Genauso klar wie ihre Aussage formulierte die offensichtlich im Eiltempo erwachsen gewordene junge Frau ihre Absichten für die Zukunft: „Wenn es nach mir geht, möchte ich nicht, dass er sie noch einmal wiedersieht. Ich möchte, dass sie geschützt ist.“ ▪ thk

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