„Väter wollen Beziehung zum Kind stärken“

Ansgar Röhrbein: „Das Väterbild hat sich verändert.“

LÜDENSCHEID - Wir haben übers Jahr verteilt eine Hand voll Fälle, in denen sich Väter intensiv darum bemühen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen“, sagt Andreas Hein, der Leiter des Lüdenscheider Jugendamtes. Besonders, wenn diese Väter unverheiratet sind, hatten sie es in der Vergangenheit nicht leicht. Das könnte sich nun ändern: Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag einen Beschluss veröffentlicht und die bisherige Regelung des Sorgerechts für verfassungswidrig erklärt (wir berichteten). Danach war es nicht verheirateten Männern nur mit Zustimmung der Mutter möglich, das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder zu erhalten.

Andreas Hein glaubt nicht, dass die Jugendamtsmitarbeiter durch die neue Verfahrensweise – die vom Gesetzgeber erst noch festgelegt werden muss – mehr Arbeit haben werden. „Es ist ohnehin so, dass wir mit ins Boot kommen, wenn sich die Eltern nicht freiwillig einigen.“ Bisher käme den Jugendamtsmitarbeitern in diesen Fällen eine beratende und moderierende Rolle zu. Lediglich das könnte sich demnächst ändern, meint Hein.

Grundsätzlich sei es auf jeden Fall sinnvoll, dass ein Kind auch Kontakt zum Vater hat, bezieht der Jugendamtsmitarbeiter Stellung zur Entscheidung der Karlsruher Richter: „Das Wohl des Kindes sollte immer im Vordergrund stehen.“

Das betont auch Ansgar Röhrbein, stellvertretender Leiter des Märkischen Kinderschutzzentrums, sowie freiberuflicher Dozent, Lehrtherapeut und Supervisor. „Ich kenne schon Väter, die gerne das Sorgerecht für ihre Kinder hätten“, sagt Röhrbein – und erinnert sich an die Zeit, in der er in der Väter- und Männerarbeit für das Bistum Essen tätig war. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist aus seiner Sicht ein wichtiger Schritt im Sinne der Gleichbehandlung. „Und sie schafft Rechtssicherheit für beide Seiten“, stellt Röhrbein fest, der Mitglied im Väter-Experten-Netz Deutschland ist.

Nach seinen Erfahrungen hat sich das Väterbild in den vergangenen Jahren ohnehin stark verändert. „Väter wollen ihre Vorbildfunktion ausüben und ihre Beziehung zum Kind stärken. Viele haben verstanden, dass es nicht nur den Beruf gibt, sondern, dass sie auch in der Familie gebraucht werden.“ - cwi

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