Mann überführt

US-Provider gibt BKA Tipp: Dieser Lüdenscheider schaut Kinderpornos

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Ein Lüdenscheider hat Kinderpornos heruntergeladen. 

Lüdenscheid – Der Fall wurde nur durch einen Zufall ins Rollen gebracht. Ein US-Provider informierte über einen Anschluss in Lüdenscheid, von dem aus Kinderpornos angeschaut wurden. Jetzt muss sich der Besitzer des Computers verantworten. 

Staatsanwalt Nils Warmbold sagt, die Menge der sichergestellten Bilder sei „vergleichsweise gering“. Und über die Qualität meint er: „Es geht schlimmer. Aber es geht auch weit weniger schlimm.“ 

Dieser Einschätzung schließt sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Thomas Kabus an – und verurteilt einen Lüdenscheider wegen des Besitzes und der Weitergabe kinderpornografischer Schriften in elf Fällen zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten. 

Zweifelhafte Erklärungen

Der Angeklagte, verteidigt von Rechtsanwalt Horst Metag, gibt sich einsichtig und reumütig. Doch seine Erklärungen, warum er sich im Internet-Chatroom verbotene Bilddateien besorgt und sie weiter verbreitet hat, klingen in den Ohren des Anklagevertreters zweifelhaft. „Es ist abscheulich und widerlich.“ 

Doch nach der Trennung von seiner Frau sei er psychisch erkrankt, habe alle sozialen Kontakte abgebrochen. „Und dann bin ich da reingeraten.“ Gleichzeitig beteuert er: „Ich habe keine pädophilen Neigungen.“

Festnahme nach Tipp aus den USA

Am 28. März vergangenen Jahres klingeln Polizisten an seiner Tür. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte von einem US-Provider den Tipp erhalten und die Lüdenscheider Kripo losgeschickt. Die Beamten nehmen den Computer des Mannes mit. 

Am nächsten Tag versucht er sich umzubringen und landet in der Psychiatrie. „Man wird ja eingeliefert, wenn man aufgefunden wird.“ Inzwischen nimmt er Antidepressiva und Beruhigungsmittel und steht unter Betreuung. „Ich habe versucht, einen Therapieplatz zu kriegen, aber das ist sehr sehr schwierig.“

"Der denkbar schlechteste Weg"

Verteidiger Metag spricht über „zwei Ebenen“: Einerseits würden Kinderseelen durch gewissenlose Geschäftemacher zerstört, andererseits habe sein Mandant sich in einer schweren Lebenskrise befunden. „Da hat er den denkbar schlechtesten Weg gewählt.“ 

Horst Metag: „Er braucht Hilfe.“ Die wird der 61-Jährige nun bekommen. Ein Bewährungshelfer soll mit dem Verurteilten einen Therapieplatz suchen. Den Computer, den die Polizisten zur Auswertung mitgenommen haben, fordert er nicht zurück. „Um Gottes Willen!“

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