Urlaubspriester auf der Nordsee-Insel Pellworm

Dechant Johannes Broxtermann (l.) frühstückte auf Pellworm mit Anselm Grün.

LÜDENSCHEID ▪ Im Urlaub anderswo zu arbeiten und sich dabei auch noch zu erholen: Was für viele unvorstellbar erscheint, hat Pfarrer Johannes Broxtermann realisiert. Drei Wochen war er Urlaubspriester auf der Nordsee-Insel Pellworm. Am Donnerstag ist er nach Lüdenscheid zurückgekehrt – erholt und um viele Begegnungen und Erfahrungen reicher. So hat er unter anderem Anselm Grün kennen gelernt, der für einen Vortrag auf der Insel zu Gast war und dann ebenfalls im Momme-Nissen-Haus übernachtet hat. Dabei hatten die beiden Theologen Zeit für ein gemeinsames Frühstück.

Eine befreundete Familie aus Altena, die seit vielen Jahren immer wieder Urlaub auf Pellworm macht, hatte Broxtermann auf die Idee gebracht, nach zwei spannenden und aufregenden Afrika-Reisen im vergangenen Jahr dieses Mal die Ruhe zu suchen. Die hat er auf der 38 Quadratkilometer großen – oder kleinen – Insel gefunden. Die katholische Gemeinde der Insel hat ihren Sitz im Momme-Nissen-Haus, das von einem Förderverein getragen wird. Das Haus beherbergt gleichzeitig Kapelle, Gemeinderäume, Hausmeisterwohnung und Appartement für die Urlaubspriester. Einen eigenen Seelsorger hat die katholische Gemeinde der Insel nicht – die rund 1000 Einwohner sind „stock-evangelisch“, so Broxtermann. Katholiken sind vor allem Urlauber. Jeden Sonntag hat er mit rund 50 von ihnen den Gottesdienst gefeiert.

In der Normandie hat er zwar schon gemeinsam mit einem einheimischen Pfarrer die Messe gefeiert, aber der Dienst als Urlaubspriester war für den Lüdenscheider eine Premiere, die auf jeden Fall eine Wiederholung finden soll. Es sei ihm sehr schnell gelungen, aus der Normalität, in der der Kopf immer voll sei, abzutauchen in eine erholsame „Gemütsruhe“ voller Ausgeglichenheit. Auf der Insel sei es ganz still gewesen und es gab keinen Handy-Empfang, dafür aber viele Bücher im Gepäck, Radtouren, die Natur und eben die Begegnungen mit Einheimischen und Urlaubern. Erleichtert wurde ihm der Kontakt durch die Altenaer Familie, die auf der Insel „schon richtig dazugehört“. So hat Johannes Broxtermann viele Geschichten von den Menschen der Insel gehört. „Die Leute nehmen einen sehr schnell an, wenn man sich auf sie einlässt“, sagt der Lüdenscheider begeistert. Dabei hat er vor allem eins erfahren: „Reden heißt immer über Pellworm reden“ – über die Menschen, das Meer, die Einflüsse der Gezeiten. Beeindruckt hat ihn auch das Programm für die Urlauber, das bar jeder Anonymität sei. Jeder gehöre dazu – bei Vorträgen wie dem von Pater Anselm Grün, beim Krabbenfest und beim Auftritt des Shanty-Chors, den der Friseur der Insel dirigiert. Der Elektriker ist der Conferencier und der Postbote der Solist.

Aber eine Begegnung hat Johannes Broxtermann besonders bewegt: Am 1. August, genau ein Jahr, nachdem Maria-Christine Zauzich in Guatemala tödlich verunglückt ist, kam er in der Kirche zufällig mit einer Frau ins Gespräch, die mit ihren Kindern dort war – sie stammte gebürtig aus Guatemala.

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