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Urlaub als Flucht vor Kälte und Heizkosten

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Von: Carolina Ludwig

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Bei Philipp Kleinschmidt vom First Reisebüro Hollweg-Reisen haben bereits Kunden nachgefragt, wie sie im Winter in wärmeren Gegenden arbeiten können.
Bei Philipp Kleinschmidt vom First Reisebüro Hollweg-Reisen haben bereits Kunden nachgefragt, wie sie im Winter in wärmeren Gegenden arbeiten können. © Carolina Ludwig

Lebensmittel werden immer teurer, Abschlagszahlungen für Energie werden drastisch erhöht und trotzdem fürchten viele Menschen noch Nachzahlungen. Leistet man sich in solchen Zeiten noch einen Urlaub? Ja, bestätigen die Lüdenscheider Reisebüros. Und die Bergstädter verreisen nicht nur für den Urlaub.

Lüdenscheid – „Die Nachfrage ist weiterhin da, alle sind es leid wegen Corona“, sagt Gülcin Ünlü vom Reisebüro Kattwinkel. Zumindest die Anfragen seien trotz der hohen Lebenshaltungskosten und der stark steigenden Energiepreise nicht eingebrochen. „Es kommt vielleicht nicht immer zu einer Buchung, aber das Interesse ist da. Sie wollen auch dem Wetter entfliehen“, weiß Ünlü.

Die steigenden Preise – auch bei Flügen und Hotels machen sich hohe Lebensmittel- und Energiekosten bemerkbar – schrecken vor allem Stammkunden ab. „Wenn die jedes Jahr im selben Hotel sind, haben sie natürlich den direkten Vergleich, dann erschrecken sie über die aktuellen Preise“, sagt Ünlü.

Je nach Hotel fielen die Preissteigerungen allerdings moderat aus, wie Philipp Kleinschmidt vom First Reisebüro Hollweg-Reisen erzählt: „Nachhaltigkeit wird dort immer wichtiger, einige Hotels sind schon CO₂-positiv und versorgen ihre Elektrik komplett über die eigene Photovoltaikanlage.“ Dadurch würden die Energiekosten nicht so stark ins Gewicht fallen. „Es gibt zwar Preisanpassungen, die gab es auch in diesem Jahr schon, aber da haben die Kunden bisher nur müde gelächelt. Das ist ja auch rechtlich gedeckelt“, erzählt Kleinschmidt.

Vor allem der September und Oktober seien wie in jedem Jahr Selbstläufer. „Alle, die noch eine Portion Sonne mitnehmen wollen, verreisen jetzt“, sagt er. Aber auch die Nachfrage für 2023 sei bereits „ordentlich“: „Das ist eine Rechengeschichte. Wer kurzfristig bucht, hat natürlich eine schlechtere Auswahl und höhere Preise. Da wurden auch in der Vergangenheit die Frühbucher belohnt.“

Homeoffice im Ausland

Für den Winter habe es außerdem sogar Anfragen zu längeren Aufenthalten gegeben, um aus dem Ausland arbeiten zu können. „Je nach Energiezulieferer könnte das sogar billiger sein“, sagt Kleinschmidt. Viele Hotels würden leistungsstarke Internetverbindungen anbieten und generell sei die Internetverbindung in anderen Ländern häufig besser. Menschen ohne Arbeitsplatzbindung könnten daher in gemäßigtem Klima arbeiten und sich die Heizkosten in Deutschland sparen. „Für Januar/Februar gab es da schon Anfragen“, sagt Kleinschmidt.

Wie sich die Reisebereitschaft der Menschen entwickelt, werde sich allerdings erst in einigen Monaten zeigen, ist Kleinschmidt überzeugt. „Das hat auch Corona gezeigt, dass man da eine gewisse Perspektive und Ausdauer haben muss“, sagt er.

Umfrage: Verreisen Sie trotz der stark gestiegenen Preise?

Nikola Grbavac: „Wir verreisen nicht, aber hatten es eh nicht vor. Man kann es ja nicht ändern, die Preise steigen überall. Wir waren schon im Frühjahr in Kroatien.“

Gabriele Schelberg: „Wir sind seit 15 Jahren Rentner und können uns das nicht mehr leisten, jetzt erst recht nicht mehr. Was man zur Seite legen kann, braucht man für Lebensmittel, wovon will man dann das Geld für eine Reise nehmen?“

Lena Rentzing: „Hätten wir geplant, in den Herbstferien in den Urlaub zu fahren, würden wir auch fahren. Aber man merkt die steigenden Preise schon, gerade bei den Lebensmitteln. Und was an Energiekosten auf uns zukommt, wissen wir ja noch gar nicht.“

Rudi und Silke Bingart: „Selbstverständlich haben wir noch Lust zu reisen. Leisten kann man sich das etwas weniger, aber wir kriegen es noch zusammen. Wir fahren jedes Jahr um diese Zeit nach Thüringen, das ist schon fest gebucht. Es ist aber schon eine furchtbare Situation, dass sich das viele nicht mehr leisten können.“

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