Lage als Vorteil

Unwetterlage im Märkischen Kreis: So verlief der Regentag in Lüdenscheid

starkregen lüdenscheid
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Familie Schlüter im Elspetal konnte nur zuschauen, wie die Wassermassen Garten und Keller fluten.

Mit bis zu zwölf Litern Regen pro Quadratmeter und Stunde erlebte die Kreisstadt am Mittwoch die schwersten Niederschläge seit langem. Doch Lüdenscheids Lage als Bergstadt erwies sich einmal mehr als Glücksfall: Im Vergleich zu umliegenden Städten in den Flusstälern registrierten die heimischen Einsatzkräfte nur wenige Schäden – und leisteten in den Nachbarkommunen umso häufiger wertvolle Hilfe.

Lüdenscheid – Das Chaos begann spätestens im Berufsverkehr auf der Sauerlandlinie. Einpendler, etwa aus dem Nordkreis oder aus Richtung Ruhrgebiet, standen gegen 8.30 Uhr nahe der Abfahrt Hagen-Süd nach einem Unfall mit zwei Beteiligten zum ersten Mal im Stau. Kurz darauf meldete die Autobahnpolizei einen sogenannten Liegenbleiber – ein Schwerlaster blockierte in einer Baustelle eine Fahrspur.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

So verlief der Regentag in Lüdenscheid: Verkehr stockte im Bereich Ahelle

Frühzeitig reagierte die Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) auf das angekündigte Hochwasser. Die Linie 36 zwischen Werdohl und Altena fuhr nicht mehr, die Schnellbuslinie ab Lüdenscheid in Richtung Altena verkehrte nur bis zur Schule Breitenhagen kurz vor der Burgstadt.

Auf der Volmestraße im Bereich Ahelle stockte der Verkehr am Vormittag, weil ein Baum umgestürzt und auf der Fahrbahn gelandet war. Die Polizei sicherte die „Umfallstelle“, Feuerwehrleute sägten neben der anschwellenden Volme schleunigst die Straße frei. Kurze Zeit später rückten die Männer abermals aus und sicherten am Wasserschloss Neuenhof Stützmauern gegen den steigenden Wasserpegel.

Der Regen prasselte unentwegt auf die Lüdenscheider Straßen.

Sogar die Justiz war von Einschränkungen betroffen. Am Morgen platzte ein Schöffengerichtsprozess. Der Staatsanwalt rief von der Autobahn aus dem Stau an und sagte ab. Das passte ausnahmsweise, denn der Angeklagte hatte am Vorabend bereits mitgeteilt, er sei noch in der Türkei und „leider“ erkrankt.

Der Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid-Herscheid (SELH) kontrolliert nach eigener Aussage durchgehend alle Kanäle, um zu sehen, ob die schon überlaufen. Die Situation in der Kreisstadt sei aber noch entspannt, erklärte Corinna Stephan, zuständig für den Kanalbetrieb.

„Wir fahren unsere Stark-regentour und kontrollieren, ob die Regenrückhaltebecken überlaufen. Es hat sich einiges angestaut, ist aber noch nicht voll“, sagte Stephan. Anrufe von Anwohnern habe es noch nicht gegeben. Dennoch gebe es durchgehenden Bereitschaftsdienst. „Keiner weiß, wie sich die Lage entwickelt. Wir sind auf alles vorbereitet“, versicherte Stephan.

So verlief der Regentag in Lüdenscheid: Waldbesitzer freuen sich über nasse Tage

Gegen 15 Uhr meldete die Polizei, dass der Landesbetrieb Straßen.NRW die Talstraße sperren will. Der ansonsten kleine Elspe-Bach war über die Ufer getreten, die B229 drohte unpassierbar zu werden. Das große Regenrückhaltebecken ein paar hundert Meter oberhalb war bereits am Vormittag nahezu vollgelaufen.

Nach Angaben eines Polizeibeamten vor Ort sollte die Talstraße erst gesperrt werden, wenn die Fahrbahn unter Wasser steht. Feuerwehrmänner kümmerten sich am Nachmittag um die Sicherheit im Haus der Familie Schlüter. Deren Keller Am Stülberg nahe der Brücke über die Elspe war bereits vollgelaufen, die Wiese vor dem Haus geflutet.

Es gibt auch einen anderen Blickwinkel: Aus Sicht der Waldbesitzer und Förster dürfte das Wetter „ruhig noch ein paar Tage so bleiben“, sagte Revierförster Marcus Teuber. „Und selbst dann ist der Trockenstress der vergangenen drei Jahre noch nicht ausgeglichen.“ Bei extremem Regen stellen Teubers Waldarbeiter ihre Fällungen im „Käferholz“ aus Sicherheitsgründen ein – und um die Waldwege nicht noch mehr zu zerstören.

Für die Wiederaufforstung der abgeholzten Bestände sind die Niederschläge nützlich. Teuber: „Die jungen Pflanzen gehen gut an, wir haben durch Käferbefall oder Wildverbiss bislang nur wenige Ausfälle.“

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