1. come-on.de
  2. Lüdenscheid

„Unverzüglich aus dem Amt entfernen“: Dr. Junker rechnet mit Corona-Politik ab

Erstellt:

Von: Jan Schmitz

Kommentare

Der Leiter der KVWL-Bezirksstelle Lüdenscheid, Dr. Martin Junker, (hier im Sommer 2019) ist fassungslos über Kontingentierung des Biontech-Impfstoffs.
Der Leiter der KVWL-Bezirksstelle Lüdenscheid, Dr. Martin Junker, (hier im Sommer 2019) ist fassungslos über Kontingentierung des Biontech-Impfstoffs. © Bernd Eiber

Der Bund wird ab Ende November die Impfstoffmenge von Biontech bis auf Weiteres kontingentieren. In dieser Woche werden die Arztpraxen jedoch noch rund 4,6 Millionen Dosen dieses Impfstoffs erhalten.

Lüdenscheid/Olpe – Der Bund wird ab Ende November die Impfstoffmenge von Biontech bis auf Weiteres kontingentieren. In dieser Woche werden die Arztpraxen jedoch noch rund 4,6 Millionen Dosen dieses Impfstoffs erhalten. Danach wird überwiegend Impfstoff von Moderna bereitgestellt, heißt es in einer Mitteilung der Kassenärztliche Bundesvereinigung vom Freitag, die sich auf das Bundesministerium für Gesundheit beruft. Dr. Martin Junker, Hausarzt aus Olpe und Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid des Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe kommentiert: „Unglaublich“.

Junker spricht von „einer weiteren grandiosen Fehlleistung der Verantwortlichen“ im Gesundheitsministerium. „Man sollte sie aus ihrem Amt unverzüglich entfernen – auch die verantwortlichen Ministerialen“, schimpft Junker in einer Stellungnahme als Hausarzt, ausdrücklich nicht als KVWL-Bezirkssstellenleiter.

„Die Meldung der kassenärztlichen Bundesvereinigung schlage „dem Fass den Boden aus“. „Wir Ärzte werden von Minister Laumann und dem Bundeskanzleramts-Minister als ‘Golfspieler’ und ‘Bremser’ verunglimpft, um eigene Versäumnisse zu kaschieren, und nun verkürzt das Gesundheitsministerium die Auslieferung von Biontech-Impfstoff, weil sie Moderna-Impfstoff-Ladenhüter ‘vor dem Verfall’ retten wollen.“

Es sei zwar bekannt, dass die halbe Moderna-Dosis für eine Booster-Impfung über 30 Jahre ein gute Impfung ist, aber die Willkür des Gesundheitsministerium und Minister Jens Spahn verschärfe die „hochgefährliche Durchimpfungs-Mangelsituation durch diese willkürliche und unüberlegte Maßnahme“. Junker, der seit 44 Jahren als Haus- und Landarzt tätig ist, schüttelt den Kopf: „Für eine Impf-Pflicht für zum Beispiel alle Gesundheitsberufe und andere Berufe mit vielfachem Menschen-Kontakt aber fehlt der Mumm.“

Aufklärungsbedarf in den Praxen und den Impfzentren immens

Offenbar sei diesen Menschen, die diese Entscheidungen treffen, auch nicht bekannt, dass in vielen Ländern nur mindestens zwei gleichnamige Impfungen als „geimpft“ anerkannt würden. Auch gebe es bereits viele Geimpfte, die schon zwei verschiedene Impfungen bekommen haben und nun eine dritte, wieder andere Impfung erhalten.

Für Unter-30-Jährige soll nur Biontech verimpft werden, ebenso bevorzugt auch für Kinder ab zwölf Jahre, die noch lange nicht alle geimpft werden konnten. Nach der Johnson & Johnson-Impfung solle ebenfalls eine Biontech-Auffrischung erfolgen. „Dafür wird es nicht mehr reichen“, stellt Junker fest.

Der Aufklärungsbedarf in den Praxen und den Impfzentren werde immens sein, die Verweigerer würden massivst zunehmen, sagt der Hausarzt voraus und fordert daher: „Wir benötigen beide Impfstoffe in unbegrenzter Menge.“

Junker weiter: „Man hätte ja frühzeitig vom Verfall bedrohte Impfungen an Drittländer ‚spenden’ können, statt jetzt alle Impfstellen mit drohenden, verkürzten Verfallsdaten und unnötigen Patienten-Diskussionen zu belasten.“ Der Olper Mediziner ist fassungslos: „Eine solche dumme Nacht-und-Nebel-Aktion wird nicht nur Impfgegner beflügeln, sondern es steht auch zu befürchten, dass sich auch viele impfbereite Ärztinnen und Ärzte aus der dringend benötigten Impfbereitschaft verabschieden werden.“

Die vermeidbare vierte Welle sei ein weiterer Beweis für die „Unfähigkeit unserer Politik und Ministerialbürokratie“. Junker schließt mit den Worten: „Ich bin entsetzt.“

Auch interessant

Kommentare