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Späterer Schulstart möglich: Das sagen Lüdenscheider Schulen

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Von: Kerstin Zacharias

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Noch mal umdrehen – was sich mancher Schüler wünschen mag, sorgt an den Schulen für Skepsis
Noch mal umdrehen – was sich mancher Schüler wünschen mag, sorgt an den Schulen für Skepsis. © Patrick Pleul dpa

Unterrichtsbeginn ab 9 Uhr? So mancher Schüler wäre dem sicher nicht abgeneigt. Doch an den Lüdenscheider Schulen ist der Vorstoß der NRW-Landesregierung bislang noch kein Thema - und hätte nicht unbedingt nur Vorteile.

Wenn morgens um 8 Uhr die Schulklingeln zur ersten Stunde rufen, dann dürfte sich so mancher Schüler nach einer extra Portion Schlaf sehnen. Und nicht zuletzt in der dunklen Jahreszeit würden sich einige einen späteren Unterrichtsbeginn wünschen.

Dieser ist nun theoretisch auch möglich, denn: Die neue NRW-Landesregierung möchte den Schulen die Möglichkeit geben, die Unterrichtszeiten flexibler zu gestalten. Statt des bislang vorgeschriebenen Unterrichtsbeginns zwischen 7.30 und 8.30 Uhr könnte die jeweilige Schulkonferenz über einen Start um 9 Uhr entscheiden.

„Organisatorisch nur schwer umsetzbar“

Doch was erstmals schon während der Pandemie thematisiert wurde, um die Schülerströme am Morgen zu entzerren, ist an den Lüdenscheider Schulen nach wie vor kein Thema. „Schon damals im Kontext mit Corona haben die Schulleiter gemeinsam mit dem Schulträger darüber beraten und sind übereingekommen, dass dies für uns organisatorisch kaum möglich und umsetzbar ist“, macht Dieter Utsch, Schulleiter des Bergstadt-Gymnasiums, deutlich und verweist unter anderem auf nötige Abstimmungen mit der MVG.

René Jaques, Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums, sieht allein für den Staberg mit seiner engen Kooperation Probleme im Hinblick auf geänderte Anfangszeiten und Stundenpläne. „Das ginge nicht mal eben und bräuchte entsprechend Vorlauf.“

Während diverse Untersuchungen gezeigt hätten, dass ein späterer Unterrichtsbeginn aus entwicklungsbiologischer Sicht für einige Altersstufen sinnvoll sein könnte, sei das Thema vonseiten der Eltern oder Schüler des Zepp noch nicht an ihn herangetragen worden. „Deshalb sehe ich aktuell auch keinen Anlass, an die Zeiten heranzugehen.“ Zumal sich für ihn auch die Frage stelle, wie jüngere Kinder in der „freien“ Zeit am Morgen betreut werden sollen. „Das könnte Probleme mit sich bringen.“

Verschiebung in den Nachmittagsbereich

Die sieht auch Kathrin Hock, Schulleiterin der Ida-Gerhardi-Schule: „Wenn man später startet, dann verschiebt sich natürlich alles weiter in den Nachmittag. Und dann stellt sich auch die Frage nach einem Mittagessen für die Grundschüler.“ An Schulen ohne gebundenen Ganztag wäre dies ihrer Meinung nach kaum zu lösen. Anstöße aus der Elternschaft hätte es an ihrer Schule dazu noch nicht gegeben, eher in die andere Richtung: „Einige Eltern würden sich eher einen Start ab 7.30 Uhr wünschen.“

An der Adolf-Reichwein-Schule gibt es zwar den gebundenen Ganztag, doch Schulleiter Sven Arriens sieht in einem späteren Unterrichtsstart ebenfalls das Nachmittagsproblem: „Wir würden dann ja als Ganztagesbetrieb noch weiter nach hinten rücken.“

Dass der eine oder andere (Oberstufen)-Schüler einem späteren Unterrichtsbeginn nicht abgeneigt wäre, kann sich Till Hafenrichter, Schülersprecher des Zeppelin-Gymnasiums, durchaus vorstellen, aber auch er sieht eher die Probleme im Nachmittagsbereich. „Gerade für Jugendliche ist es doch wichtig, am Nachmittag Zeit für Freunde oder Hobbys zu haben. Daher würde ich persönlich eher dazu tendieren, die Uhrzeit zu belassen.“

Brücke rückt das Thema nicht in den Fokus, bringt aber andere Probleme mit sich

Und im Kollegium habe auch die Brücken-Problematik einen späteren Unterrichtsbeginn bislang nicht in den Fokus gerückt, sagt René Jaques: „Natürlich ist die Situation sehr unerfreulich und die deutlich erhöhten Fahrzeiten belasten die auswärtigen Kollegen.“ Aber sie nähmen dies trotz allem in Kauf, vermehrte „Abwanderungen“ seien bislang ausgeblieben. Vielmehr stelle er eher eine Umkehr fest: „Ich bekomme zunehmend Anfrage von Lehrkräften, die bislang Richtung Ruhrgebiet ausgependelt sind und nun eher in Lüdenscheid bleiben möchten.“

Freie Lehrerstellen nur schwer zu besetzen

Während sich Dieter Utsch schulintern darum bemühe, dass im Hinblick auf die Unterrichtszeiten beispielsweise ab Hagen Fahrgemeinschaften gebildet werden können, bekomme er an anderer Stelle Probleme zu spüren: So werde es immer schwerer, Vertretungskräfte, also Lehrkräfte mit Zeitverträgen, zu bekommen. „Da macht sich die Brücke dann leider doch bemerkbar.“

Ein Umstand, den Sven Arriens bestätigt: Versetzungsanträge gebe es bei ihm zwar ebenfalls nicht, neue Stellen seien aber schwerer zu besetzen. „Da hapert es tatsächlich an der Brücke.“ Mit Blick auf einen späteren Unterrichtsstart sei diese aus seiner Erfahrung jedoch eher unerheblich: „Viele Kollegen berichten, dass sie besser durchkommen, je früher sie fahren. Später gebe es dann kein Durchkommen mehr.“ Und so werden die Schulklingeln auch in Zukunft um 8 Uhr schrillen.

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