Tradition und Verpflichtung

Großer Verlust: Unternehmer Dr. h.c. Helmut Kostal (70) plötzlich verstorben

Helmut Kostal ist verstorben..

Lüdenscheid - Der Lüdenscheider Unternehmer Helmut Kostal ist in der Nacht auf Freitag plötzlich und unerwartet verstorben. Heiligabend hätte er sein 71. Lebensjahr vollendet. Kostal hatte sein Familienunternehmen mit weltweit 15.000 Mitarbeitern erfolgreich geführt, bevor er es im Jahr 2010 in die Hände seines Sohns Andreas legte.

Es hätte ihn gefreut, dass die Erinnerung an ihn so typisch, so bodenständig beginnt, wie er war: Immer, wenn es Betriebsjubiläen mit langjährigen Mitarbeitern zu feiern galt – und das ist häufig der Fall – , hatte Helmut Kostal seinen Platz mitten unter den Jubilaren an der Festtafel in der Schützenhalle.

Lüdenscheid trauert

Hier lesen Sie Auszüge aus dem Nachruf der Leopold Kostal GmbH & Co. KG auf Dr. h.c.Helmut Kostal

So gehört es sich für ein Familienunternehmen mit mehr als hundertjähriger Geschichte am Ort, das war sein Selbstverständnis. Ein Platz im Herzen seiner Belegschaft bleibt ihm auch deshalb sicher, weil er ein nahbarer Chef war. Fordernd, aber fair, geradeaus und durchsetzungsstark. „Auf das, was vereinbart worden war, konnte man sich verlassen“ – diesen Ruf bestätigte er zuverlässig. In der Nacht auf Freitag starb der Unternehmer plötzlich und unerwartet; Heiligabend hätte er sein 71. Lebensjahr vollendet. Fassungslos müssen seine Frau Angelika, die drei Kinder aus zwei Ehen, Enkel und Angehörige, die Kostal-Firmenfamilie und seine Freunde nun mit der großen Leere leben lernen.

Dass der Ur-Lüdenscheider „sein Haus bestellt“, das weltweit tätige Unternehmen der Automobilzulieferindustrie 2010 frühzeitig und konsequent seinem Sohn Andreas und damit der vierten Generation übergeben hat, das spricht für seine Weitsicht.

Trotz des Rückzugs war er natürlich weiter präsent, seine Meinung geschätzt. Seine Rolle sah er fürderhin eher als die eines „Libero“. Vieles hat er erreicht, hat seine Fähigkeiten immer wieder auch dort eingesetzt, wo er – über die Firma hinaus – Bedarf sah.

Das Herz des Jungen von der Parkstraße schlug lebenslang für seine Stadt. 1972 stieg der Diplom-Kaufmann in die Firma ein, übernahm sie 1981, als sein Vater Kurt mit 73 Jahren starb. 22 Jahre lang, bis 2007, war Helmut Kostal Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Metall + Elektro, saß fünf Jahre für die CDU im Rat und war sieben Jahre als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Dortmund tätig.

Auch im Lüdenscheider Tennisverein von 1899 folgte er seinem Vater zwischenzeitlich als Vorsitzender. In der Hotop-Riege führte er eine weitere Familientradition fort.

Die Auszeichnungen und Ehrungen für sein vielfältiges Engagement gehören zu den höchsten, die Stadt und Land zu vergeben haben: der Lüdenscheider Ehrenring, das Bundesverdienstkreuz. Und die Ehrendoktorwürde der Universität Witten/Herdecke: Mit dem Doktor der Wirtschaftswissenschaften ehrenhalber würdigte die akademische Welt die herausragende Leistung eines vorbildlichen Familienunternehmers, „der sauerländische Standfestigkeit mit internationaler Beweglichkeit verknüpft“ habe.

Helmut Kostal nahm solche Auszeichnungen entgegen, vergaß aber nie, sie vor allem als Anerkennung für die zu sehen, die ihm sein vielfältiges Wirken ermöglicht haben. Anlass, wegen eines Dr. h.c. neue Visitenkarten drucken zu lassen, sah er nicht. Er war, erinnert sich ein Freund, „einer der uneitelsten Menschen, die ich kannte“.

Eine durchaus strenge Erziehung mit dem Anspruch, Arbeit als Erfüllung und Lebensinhalt zu sehen; die Bedeutung von Familientradition, Verpflichtung, Ehrgefühl; der Wert der Unabhängigkeit; ein klares Verständnis von Geschichte; natürliche Autorität gepaart mit kaufmännischem Denken – Helmut Kostal agierte in einem festen Werterahmen und das ausgesprochen erfolgreich.

Der große Unternehmer verkörperte diese Tugenden. Das zeichnete ihn aus, das schätzten selbst jene an ihm, die ihn, den Firmenchef, eigentlich als Gegner hätten sehen müssen. Helmut Kostal fühlte sich im Wort, wenn er etwas Begonnenes auf einen guten Weg, zu einem guten Ende bringen wollte wie zuletzt, als er den Vorsitz des Phänomenta-Stiftungsrates von Dr. Walter Hueck übernahm.

Der gewaltige Druck, die große Verantwortung für 17.000 Mitarbeiter und ihre Familien, das hat er gespürt. Dass er in seiner Zeit an der Unternehmensspitze zukunftsbestimmende Entscheidungen für viele treffen musste, nahm er mit. „Da wird man schon mal wach“, gab er in Gesprächen zu.

Angesichts dessen fiel es schwer, abzuspannen. Tennis und Skifahren, später die Jagd, am liebsten in Österreich, das war für ihn willkommener Ausgleich. „Man soll, wenn man rückwärts guckt, Dinge nicht bedauern“, hat er einmal gesagt. So hat er gelebt, so hat er gewirkt.

Lüdenscheid hat – zu früh – eine beeindruckende Persönlichkeit verloren, der die Stadt und ihre Menschen viel zu verdanken haben.

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