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Unternehmen mit 1.500 Mitarbeitern aus MK: 3G am Arbeitsplatz sorgt für Unfrieden

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Von: Thomas Machatzke

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Die Firma Gerhardi aus Lüdenscheid hat sogar eine neue App in Eigenregie entwickelt, um die neuen 3G-Regelungen besser überwachen zu können. In der Firma herrscht trotzdem Unruhe und Unsicherheit. Der Anteil der Ungeimpften ist hoch.

Lüdenscheid – Dass die Firma Gerhardi innovative Spritzguss- und Galvanotechnik kann, ist nicht neu. Innovation in Corona-Zeiten indes ist auch auf anderen Gebieten gefragt. Als sich in der vergangenen Woche die Zeichen verdichteten, dass die Politik für die Arbeitswelt auf 3G-Regelungen setzen würde, da wartete man in der Zentrale an der Schlittenbacher Straße nicht auf Beschlüsse und Verordnungen.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Fläche86,73 km²

Bei Gerhardi durfte sich ein IT-Fachmann direkt aus dem Tagesgeschäft „ausklinken und zwei Tage einschließen“, wie es Personalleiter Michael Hackler nennt. Nun ist der Beschluss der Bundesregierung da, mit ihm die Verordnung. Und die Gerhardi Kunststofftechnik GmbH kann diese direkt mit einer eigenen App umsetzen. Dem IT-Fachmann und dem Produkt seiner zweitägigen Arbeit sei Dank.

Die Begeisterung für die neue Regelung hält sich in der Führungsetage und bei den Mitarbeitern trotzdem in Grenzen. „Wir stehen dem Ganzen positiv gegenüber, erhoffen uns mehr Sicherheit für unsere Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Thomas Dinter zwar und spricht von einem „erhöhten Druck auf die Ungeimpften“. In der Praxis allerdings bedeute die Regelung trotz der neuen App einen Riesenaufwand.

Unternehmen mit 1500 Mitarbeitern aus MK: 3G am Arbeitsplatz sorgt für Unfrieden

„Ich möchte mal wissen, welche Gedanken sich da die Politiker gemacht haben“, sagt Personalleiter Michael Hackler, der im 1500-Mitarbeiter-Unternehmen für die Umsetzung zuständig ist, „bei rund 30 Prozent Ungeimpften und rund 400 Firmen in der Region ist es ein riesiger logistischer Aufwand. Diese Vielzahl von Tests können die AMZs und Testzentren doch fast gar nicht stemmen.“

Hackler beklagt zudem eine große Unruhe in der Mitarbeiterschaft. „Manche sagen uns: Der Impfstatus geht euch nichts an. Sie hätten es so im Fernsehen gehört“, sagt Hackler, „aber natürlich müssen wir den nun kennen. Es herrscht viel Verunsicherung.“ Bereits im August hat sich das Unternehmen, für das im märkischen Südkreis 600 Männer und Frauen arbeiten, einen Überblick über den Impfstatus verschafft. Zwischen 20 und 22 Prozent Ungeimpfter waren seinerzeit festgestellt worden.

Firmengebäude mit Bäumen davor
Bei der Firma Gerhardi Kunststofftechnik geschieht die Dokumentation der 3G-Prüfungen über eine selbst entwickelte App. © Cedric Nougrigat

„Ich denke nicht, dass sich seitdem viel geändert hat“, sagt Hackler, „gefühlt war damals Corona ja praktisch vorbei. Und dann gibt es bei uns auch viele Corona-Gegner. 3G-Aushänge werden abgerissen. Es gibt teilweise auch hitzige Diskussionen.“

Die Einschläge kommen näher. Dazu kommt die Grippewelle, die Fehlzeiten-Quote ist hoch!

Michael Hackler (Personalleiter)

Es ist ein Klima des Unfriedens, in dem die Vorgesetzten nun nach einer ersten Bestandsaufnahme täglich die Tests der Ungeimpften überprüfen und die Ergebnisse über die App in einen zentralen Rechner einpflegen müssen. Alles wird dokumentiert. Aber ist deshalb alles gut?

In der Verwaltung sind die 160 Mitarbeiter weitgehend durchgeimpft, hier gibt es das Instrument des Arbeitens im Homeoffice. „Das setzen wir, so gut es geht, um“, sagt Hackler, „es geht natürlich nicht in allen Fällen.“ In der Produktion indes gibt es kein Homeoffice. Am Standort in Ibbenbüren (900 Mitarbeiter) hat das Unternehmen, das bisher mit Blick auf Infizierte in der Mitarbeiterschaft so gut durch die Pandemie gekommen ist, in den vergangenen Wochen zu allem Überfluss verstärkt Corona-Infizierte registriert.

Überlegungen über ein Teststation in der Firma

„Die Einschläge kommen näher. Dazu kommt die Grippewelle, die Fehlzeiten-Quote ist hoch“, sagt Hackler und hofft, dass sie durch die neuen Regelungen nicht noch höher wird. Abwarten und anlaufen lassen: Gerhardi ist gerüstet. Für Hackler bedeutete dies seit Freitagmorgen: Telefonate, E-Mails bis in den späten Abend. Dauerstress. Nun steht alles, oder vielleicht noch nicht alles.

„Wir diskutieren im Moment noch, ob wir eigene Mitarbeiter schulen lassen, um die Tests für Ungeimpfte im Unternehmen durchzuführen. Damit würde man Testzentren entlasten, und es auch den Mitarbeitern etwas leichter machen“, sagt Hackler. Er überlegt, dann ergänzt er: „Aber die Frage ist: Wollen wir das? Eigentlich sollen die Mitarbeiter ja zur Impfung bewegt werden.“ Wie man es dreht und wendet: Es bleibt eine Zeit, in der es auf viele Fragen keine einfachen Antworten gibt.

In NRW gelten seit dem 24. November neue Corona-Regeln. Die Maßnahmen vor allem für Ungeimpfte werden härter. In vielen Bereichen gilt 2G. Auch 3G wird ausgeweitet.

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