Unter Fans und Kritikern

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Dicht umlagert, erfüllte Hannelore Kraft nach ihrer Rede zahlreiche Autogramm- und Fotowünsche. Dabei erhielt die Ministerpräsidentin großen Zuspruch. Auffallend viele Frauen scharten sich um sie und wünschten ihr Glück.

Lüdenscheid - Hannelore Kraft in Lüdenscheid, das ist ein Tag der Kontraste: Im Rathaus-Innenhof stellt sich die Ministerpräsidentin vorab wütenden Polizei-Gewerkschaftern, die sie als „wortbrüchig“ angreifen und verteidigt sich vehement dagegen, Tarif-Versprechen nicht eingehalten zu haben: „Das geht an die Ehre. Sie werden keine Versprechen finden!“ Minuten später, vorm Rathaus, schaltet die Vize-Bundesvorsitzende der SPD auf Wahlkampfmodus, hält eine flammende Rede für mehr Gerechtigkeit – und erhält jubelnden Applaus.

Indes stehen im rhythmisch klatschenden Publikum viele Lüdenscheider Sozialdemokraten. SPD-Bundestagskandidatin Petra Crone attestiert ihrer Wahlkampfhelferin zum Auftakt Sachverstand und Leidenschaft, der Bundesregierung unter Merkel nur Bräsigkeit: „50 Gipfel, und nichts ist passiert. Nichts bei der Rente, für Arbeit oder eine bessere Pflege.“

Dann übernimmt Kraft das Mikrofon, begrüßt über den Sternplatz hinweg auch alle, die es bei Zuccaba in den Schatten der Sonnenschirme geschafft haben. Und legt los. Fordert den Mindestlohn von 8,50 Euro für alle statt Lohnuntergrenzen für Branchen. Geißelt Ursula von der Leyens Lebensleistungsrente als Volksverdummung, weil die nur 10 Euro mehr im Monat bedeute. Will 850 Euro als Solidarrente nach 30 Beitragsjahren und die Bürgerversicherung, dazu mehr Geld vom Bund für klamme Städte. „Und wir wissen, das geht nicht ohne Steuererhöhungen – für Paare oberhalb von 200  000 Euro netto im Jahr.“

Eine Vermögenssteuer fordert sie ebenfalls und verteidigt den Kauf der Steuersünder-CDs: „Auch wer sein Geld in die Schweiz transferiert, schickt seine Kinder hier zur Schule – und meckert über den Renovierungsbedarf.“

Ob Städte-Soli, Hilfen für Griechenland oder syrische Flüchtlinge: Mehr Gerechtigkeit ist ihr Thema. Wohl nicht umsonst hat MdL Gordan Dudas ihr vorab eine Pulle „Rote Hanni“ überreicht.

Den Meinerzhagener Schnaps lässt sie rasch bei Begleitern verschwinden, trinkt nach dem Bad in der Menge mit unzähligen Fotos und Autogrammen lieber Eiskaffee bei Zuccaba. Ohne Waffel. - Von Thomas Hagemann

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