Alternative Energien und Ausnahmen

Unsicherheit bei Hauseigentümern im MK: Muss die alte Heizung sofort raus?

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Arnt Richter macht sich als Heizöllieferant keine Sorgen, dass die Nachfrage nach Öl durch die Gesetzesänderung sinkt. Bereits jetzt würden 60 Prozent seiner Kunden eine Solaranlage nutzen.

Lüdenscheid - Für Unsicherheit und Ungewissheit sorgt bereits jetzt ein Ölheizungsverbot, das ab 2026 in Kraft treten soll. Lüdenscheider Unternehmen merken vermehrt, dass bei ihren Kunden Aufklärungsbedarf besteht. Denn Ölheizungen wurden nicht grundsätzlich verboten.

„Es ist nicht klar definiert, was jetzt kommt, da es zig Ausnahmen gibt. Und auch im Bereich Förderung hat sich einiges geändert, sodass viele nicht mehr durchblicken, ob sich für sie nun etwas ändert oder nicht“, sagt Peter Jakob, Handwerkerspezialist für Sanitär, Heizung und Solartechnik. Zwei bis drei Kunden pro Woche würden bei ihm daher nachfragen.

So sieht es auch bei den Kunden von Arnt Richter aus, die von seinem Unternehmen Heizöl kaufen. „Viele hätten ihren Öltank schon letztes oder vorletztes Jahr erneuert, haben aber damit gewartet, weil sie verunsichert waren und nicht wussten, was auf sie zukommt“, sagt der Inhaber des gleichnamigen Unternehmens. Der Grund: Vom Gesetzgeber sei nicht deutlich herübergekommen, was sich genau ändere.

„Es ist nicht so, dass bis 2026 alle Ölheizungen raus müssen“, kann Frank Ebisch, Pressesprecher des Zentralverbands Sanitär, Heizung, Klima, die Verbraucher beruhigen. „Sie können auch nach 2026 noch betrieben werden, dann aber in Kombination mit alternativen Energien, wie zum Beispiel einer Wärmepumpe oder Fotovoltaikanlage“, erklärt er.

Zudem seien in erster Linie Neubauten und nicht Bestandsbauten betroffen, es sei denn, die Ölheizung müsse erneuert werden, weil sie mehr als 30 Jahre alt sei und daher Austauschpflicht bestehe. Und auch hier gebe es Ausnahmen. Das sei zum Beispiel dann der Fall, wenn sich die Ölheizung nicht in einer vermieteten, sondern einer eigengenutzten Immobilie befinde. „Es sind Einzelfälle, die vor Ort entschieden werden müssen“, sagt Frank Ebisch und erklärt, dass man auch sehen müsse, wo eine Alternative möglich sei. Im ländlichen Raum sei dies zum Beispiel schwieriger. Allerdings gebe es Austauschprämien und Fördermittel für andere Energien, Öl werde in Zukunft hingegen nicht mehr gefördert, auch wenn dieses durchaus noch Zukunft habe.

Trotzdem macht sich Arnt Richter als Heizöllieferant keine großen Sorgen, dass die Nachfrage nach Öl durch die Gesetzesänderung sinkt. „Die Kunden werden bei Öl bleiben und wollen zusätzlich erneuerbare Energien nutzen. 60 Prozent meiner Kunden haben sogar schon eine Solaranlage auf dem Dach ihres Hauses und benötigten demnach auch nach 2026 nur einen neuen Ölkessel“, erklärt Arnt Richter.

In den letzten Jahren haben viele seiner Kunden zudem schon ihre Heizungsanlage modernisiert und allein in den letzten vier Wochen seien zwölf Modernisierungen von Ölheizungen beim Heizungsbauer in Auftrag gegeben worden – und zwar ohne erneuerbare Energien. „Denn diese Regelung ist schließlich erst ab 2026 Pflicht, eine Nachrüstung jedoch nicht. Das heißt, die Heizung kann eventuell bis 2040 so laufen“, sagt Arnt Richter.

Eine Umstellung auf eine Gasheizung ergebe für ihn zudem wenig Sinn – weder ökologisch noch wirtschaftlich. „Die bei der Förderung und dem Transport freigesetzten Methanemissionen belasten das Klima 20-fach mehr, als die bei der Verbrennung entstehenden CO2-Emissionen. Wirtschaftlich ist eine Umstellung von Öl auf Gas zudem mit hohen Gasanschlusskosten und monatlichen anfallenden Grundgebühren verbunden“, erklärt er. Das umweltfreundlichste sei seiner Meinung nach, mit Kopf und Verstand zu heizen, unabhängig vom Heizsystem.

Vorschriften für Kamin und Schornstein

Während die Nachfrage bezüglich der Ölheizungen seit einigen Monaten steige, komme es schon länger immer wieder zu Nachfragen zu Kaminöfen, sagt Marc Blöink, Bezirksschornsteinfeger aus Lüdenscheid. Bereits 2010 wurden die Bestimmungen verschärft und eventuell soll es noch weitere Verschärfungen geben. Man wartet derzeit noch auf die Verabschiedung eines neuen Emissionsschutzgesetzes, wie Andreas Quentmeier, stellvertretender Obermeister der Schornsteininnung Arnsberg und Pressesprecher, erklärt. Vor zehn Jahren waren die Vorschriften für den Abstand von Schornsteineinmündungen, die an feste Brennstoffe angeschlossen sind, zu benachbarten Fenstern oder Lüftungseingängen geändert worden. Allerdings gebe es auch hier einen Bestandschutz, der sich nach der Einstufung, bis wann der Kamin betrieben werden darf, richtet. „Wir fürchten, dass die Anforderungen im neuen Gesetz sehr hoch geschraubt werden und Schornsteine enorm erhöht werden müssen. Genaues kann jedoch erst nach der Verabschiedung des Gesetzes gesagt werden“, erklärt Quentmeier und rät den Verbrauchern bis dahin Ruhe zu bewahren.

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