Unkomplizierte Lyrik mit Lydia Daher in Lüdenscheid

Lydia Daher war zu Gast in der Stadtbücherei.

LÜDENSCHEID ▪ „Die ersten warmen Tage im Jahr sind immer die Horrorzeit für jeden Veranstalter. Umso mehr freut es mich, dass Sie heute Abend hier sind“, stellt sich Lydia Daher am Abend im Studio der Stadtbücherei vor.

Nun, der Kreis der Zuhörer, die trotz des sommerlichen Abends die lyrische Lesung dem Biergarten-Besuchs vorgezogen hatten, darf getrost als spärlich bezeichnet werden. Doch gerade das macht den Abend mit der MKK-Stipendiatin für Literatur 2010 zu einem familiären Treffen. Unkompliziert, spontan und lebensecht kommt die gebürtige Berlinerin daher. Ihre Lyrik sind Geschichten in Versen, die sich nur manchmal wirklich reimen. Geschichten aus dem Leben, Gedanken auf Papier, gelegentlich versonnen, hier und da frech. Eine junge Frau, die sich nicht scheut, in ihren Gedichten Worte wie „angepisst“ und „Fuck you“ zu gebrauchen. Thematisch bleibt die Dichterin an diesem Abend zunächst einmal im Bett: „Das ist das Praktische am Dichter-Dasein. Man kann im Bett liegen bleiben und trotzdem kreativ arbeiten.“ Vom Bett und dem althergebrachten lyrischen Dauerbrenner „Mond“, der in Lydia Dahers Gedicht allerdings zum Langweiler avanciert, wechselt sie nahtlos ins Gebirge, später zu kurzen dichterischen Sequenzen über Gewalt und Nahrung, über Gewalt und Liebe und auch über Gewalt und Tiere.

„Jetzt werd‘ ich wieder lieb“, sagt sie, lacht über die eigenen Versprecher und hier und da auch darüber, wie sie wohl auf den vor Jahren ausgewählten Titel des Gedichts gekommen sei. Gerade das ist es, was die junge Frau so ungeheuer symphatisch macht – ihr sehr kurzes Kurzgedicht „Ich komma zum Punkt“ zum Beispiel, das aus nicht viel mehr Zeilen besteht. (rudi)

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