Amadeus Guitar Duo spielt unbekannte Perlen der Gitarrenmusik

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Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff boten im Kulturhaus am Sonntagabend ein ungewöhnliches Meisterkonzert.

Lüdenscheid - Wohl in vielen Ohren ist die Melodie aus dem Adagio des „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo. Um eine kurze Visitenkarte des „wichtigsten Komponisten für Gitarre im 20. Jahrhundert“ abzuliefern, spielten Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff die ersten Takte dieses Satzes, um dann jedoch sofort wieder abzubiegen: „Das spielen wir jetzt aber nicht“, verkündete Thomas Kirchhoff und ging gemeinsam mit seiner Duo-Partnerin weiter zur Bearbeitung der Suite Nr. 7 in g-moll von Georg Friedrich Händel.

Nein, dieses Meisterkonzert war zumeist keines nach dem Muster „Wiederhören macht Freude“. Stattdessen nahmen die Kanadierin aus dem schönen Nova Scotia und der Deutsche ihr Publikum mit auf eine Entdeckungsreise zu eher unbekannten Perlen der Gitarrenmusik. Da durfte auch Joaquin Rodrigo nicht fehlen: In seiner „Madrigal Suite“ griff er auf ein altes italienisches Madrigal zurück und ließ sich zu einem Konzert für zwei Gitarren und Orchester inspirieren. Das machte auch in der kammermusikalischen Fassung des Amadeus Guitar Duo Freude. Überhaupt spielten Bearbeitungen an diesem Abend vor allem bei den Kompositionen aus dem Barock eine besondere Rolle: Händels Suite Nr. 7 gehörte eigentlich zu seiner Sammlung von acht Cembalosuiten, und der Weg von Johann Sebastian Bachs Chaconne in d-Moll bis zum Gitarrenduo war noch erheblich weiter, wie Kirchhoff erklärte: Aus der hochbarocken „Chaconne“ dem längsten Satz aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo, machte Ferruccio Busoni ein „romantisches Klavierwerk“. Und daraus wiederum machte Ulrich Stracke, musikalischer Leiter der Musikschule Iserlohn und Gestalter der dortigen Gitarrentage, eine Partitur für zwei Gitarren.

Neben den beiden großen Werken aus dem Barock spielte das Duo Mario Gangis „Suite Spagnola“, die Hommage eines Italieners an Sevilla und Andalusien. Durchweg in den 1950er Jahren wurden der Venezolaner Alfonso Montés, der Brasilianer Jaime Mirtenbaum Zenamon und Dale Kavanagh selber geboren, die ebenfalls eine sehr hörenswerte zweisätzige Komposition beisteuerte: „Briny Ocean“. Es war die einzige Komposition für Gitarre solo an diesem Abend, an dessen Ende Thomas Kirchhoff dem Lüdenscheider Publikum ausdrücklich dafür dankte, dass es so „leise“ gewesen war. Die Erklärung folgte sogleich: „Wir haben in letzter Zeit viel in Asien und Amerika gespielt.“ Die Zugabe verbanden die beiden Gitarristen mit einer Rateaufgabe an das Publikum: „Welcher Komponist?“ Es folgten vertraute Klänge, doch so richtig fiel der Groschen erst beim Vornamen des Komponisten: Francisco Tárrega. Seine „Recuerdos de la Alhambra“ ließen das Publikum noch einmal von Andalusien träumen. - thk

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