Unflätiges vor der Supermarktkasse

Lüdenscheid - An einem lauwarmen Abend – es ist der 18. August 2012 – wird es im Penny-Markt an der Heedfelder Straße erst unflätig und dann brutal. Die Menschen an der Kasse vernehmen wüste Beleidigungen. Dann fliegen die Fäuste.

Strafrichter Thomas Kabus scheint etwas angeekelt zu sein und fragt den Angeklagten (21): „Haben Sie wirklich ‘Ich fi... deine Mutter’ gesagt?“ Der junge Arbeiter zuckt mit den Schultern. „Kann schon sein.“

Hintergrund seien Geldschulden, erklärt der Mann neben Strafverteidiger Frank-Peter Rüggeberg. „Er stand vorne an der Kasse, und ich habe ihm an der Schlange vorbei was zugerufen. Dann kam er nach hinten, und am Ende haben wir uns geprügelt.“ 300 Euro habe sein Gegner noch offen gehabt, aus einem gescheiterten Drogengeschäft.

Der Kontrahent, ein kräftiger CNC-Fräser, 30 Jahre alt, sagt, er wisse weder was von irgendwelchen Schulden noch nehme er Drogen. „Oder sehe ich etwa so aus?“ Eine Kassiererin, die den Kunden vom Sehen kennt, sagt: „Eigentlich sieht er immer ziemlich fertig aus.“ Das liege wohl an seiner Schichtarbeit. „Das ist anstrengend, aber er ist immer freundlich.“ Und: Es sei „ziemlich schwierig“ gewesen, die beiden Kampfhähne auseinanderzubringen.

Da kommt auch die knapp 19-jährige Gattin des Angeklagten ins Spiel. Sie, sagt der Zeuge, sei dabei gewesen und habe ihn geschubst. „Und er hat mich gewürgt und in ein Regal gedrückt.“ Die junge Frau sagt, sie sei nur als Schlichterin dazwischengegangen. Doch derzeit leistet die Hartz-IV-Empfängerin wegen der Angelegenheit 30 Sozialstunden ab.

Ihr Gemahl hat sieben Vorstrafen auf dem Kerbholz und stammt laut Bewährungshelferin aus einer „problematischen Familie, die dem Jugendamt gut bekannt ist“. Aber im zurückliegenden halben Jahr habe er „sich sehr positiv entwickelt“. Endlich habe er eine Wohnung gefunden, er habe geheiratet und nun auch eine Arbeit. Und die zuletzt verordneten 300 Sozialstunden habe er auch abgeleistet. Richter Kabus: „Das sind ja ganz gute Ansätze.“

Er verurteilt den Angeklagten wegen Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 450 Euro. Der nächste Prozess aber steht bevor: am Mittwoch vor dem Jugendschöffengericht.

Olaf Moos

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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