Unfallkommission wird Talstraße nicht untersuchen

Die Unfallstelle, an der im Mai ein junger Lüdenscheider starb. Gerade dieser Unfall aber ist laut Polizei wegen seines ungewöhnlichen Hergangs in kein Raster einzuordnen. ▪ Archivfoto

LÜDENSCHEID ▪ Anders als erwartet wird sich die Unfallkommission trotz der beiden tödlichen Unfälle in diesem Jahr nicht eigens mit der Talstraße befassen. Das bestätigte jetzt Polizeihauptkommissar Jens Naumann von der Direktion Verkehr in Lüdenscheid auf LN-Anfrage.

Die Unfälle von Mai und Oktober, bei denen drei junge Leite zwischen 19 und 21 Jahren starben, hatten laut Naumann nichts gemeinsam – außer, dass sie auf derselben, vier Kilometer langen Straße stattfanden, allerdings an unterschiedlichen Stellen. Auch der jüngste Vorfall, der Überschlag des Wagens eines 20-Jährigen in Höhe der Tankstelle, habe sich weit weg von den anderen Unfallstellen zugetragen. In gar kein Raster passe der tragische Tod des jungen Mannes, der im Mai – nachts auf der Fahrbahn liegend – von einem Auto am Kopf getroffen wurde. „Bei aller Tragik solcher Ereignisse, die wir sehr wohl sehen: Einen Unfallhäufungspunkt haben wir auf der Talstraße derzeit nicht“, sagte Naumann.

Denn für ein Eingreifen der Unfallkommission gelten klare Kriterien: Binnen drei Jahren müssen sich an nahezu derselben Stelle drei schwere Unfälle zutragen, mit Toten, Schwerverletzten oder extremen Sachschäden. Das sei an keiner Stelle der Talstraße gegeben, betonte Naumann. Die Statistik zeige seit 2009 16 Unfälle dieser Kategorie – für eine viel befahrene Bundesstraße auf untersuchten drei Kilometern Länge sei das kein besonders hoher Wert.

Die Regelungen zu Häufungspunkten sollten ein Mittelweg zwischen Unfallvermeidung und Verkehrsfluss sein, erklärte Naumann. Theoretisch könne man auf der Talstraße durchgehend Tempo 50 anordnen. Doch würden es viele Normalbürger nicht akzeptieren und befolgen, wenn sie wegen klaren Fehlverhaltens junger Piloten in übermotorisierten Fahrzeugen längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen sollten.

Im Übrigen habe die Polizei die Talstraße sehr wohl im Blick, etwa mit verstärkten Radarkontrollen. Denn rechne man die Bagatellen hinzu, sei die Bundesstraße zwischen Bräuckenkreuz und Volmestraße durchaus unfallträchtig. ▪ Thomas Hagemann

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