OP dauerte siebeneinhalb Stunden

Unfall mit Kreissäge: Schreinerin verliert vier Finger - Ärzte versuchen alles

+
Als diensthabender Arzt war Dr. Elmar Halbach zur Stelle, als die Gummersbacherin Christiane Hensel-Feldmann mit ihrer schweren Verletzung eingeliefert wurde. Gemeinsam mit Klinikchef Dr. Max Meyer-Marcotty und Facharzt Abduasalam Attabit, die sich gleichfalls schnellstmöglich im OP-Saal einfanden, rettete er die Hand der jungen Frau.

Lüdenscheid – An die Stunden nach dem Unfall kann sich Christiane Hensel-Feldmann aus Gummersbach, die beim privaten Werken im elterlichen Betrieb mit der linken Hand in die Kreissäge geriet, nicht mehr erinnern.

„Ich wollte für die Weihnachtsdeko ein Brett zuschneiden“, erzählt die 37-Jährige, die als gelernte Schreinerin langjährige Erfahrung im Umgang mit Holz mitbringt. Am Unglückstag allerdings verkantete sich das Holz, es gab einen Rückschlag – und der schwere Unfall war im Bruchteil einer Sekunde geschehen. 

Vier Finger waren amputiert und hingen nur noch an einer schmalen Hautbrücke an der Hand. Was genau nach diesem Schockmoment geschah, weiß die junge Frau nicht mehr. „Ich muss wohl geschrien haben“, erzählt sie. Glücklicherweise war ihr Vater noch in der Werkstatt, der Erste Hilfe leistete und den Rettungswagen verständigte. „Das Ganze ist um 16.15 Uhr passiert und um 17 Uhr war ich hier im Klinikum Lüdenscheid.“ 

Äußerst komplizierte Operation

In einer mehrstündigen Operation, die bis tief in die Nacht dauerte, gelang es Max Meyer-Marcotty und seinem Team, die Hand von Christiane Hensel-Feldmann zu retten und die Gefäße, Nerven und Knochen der abgetrennten Gliedmaßen zu rekonstruieren. Drei von vier abgetrennten Fingern konnten die Ärzte in einer äußerst komplizierten Operation erhalten. 

Als diensthabender Arzt war Dr. Elmar Halbach, Leitender Oberarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie / Handchirurgie am Klinikum Lüdenscheid, am Unglückstag vor Ort. Die OP-Taktik erstellte er gemeinsam mit dem Klinikdirektor und Facharzt Abduasalam Attabit, die sich aufgrund der Schwere der Verletzung gleichfalls schnellstmöglich im Operationssaal einfanden. 

In Höhe der Mittelhand, wie Klinikchef Dr. Max Meyer-Marcotty demonstriert, waren bei Christiane Hensel-Feldmann vier Finger nach dem Kreissägen-Unfall abgetrennt.

Frau verliert vier Finger: Ärzte kämpfen stundenlang, um Hand zu retten

Siebeneinhalb Stunden kämpften die Ärzte darum, die Hand zu retten und die junge Frau vor der kompletten Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise dem Verlust der Hand zu bewahren. „Im Falle solch einer schweren Handverletzung mit Verlust von einzelnen ganzen Fingern oder auch der ganzen Hand ist es heutzutage möglich, unter Zuhilfenahme der Mikrochirurgie mit Einsatz des Operationsmikroskops diese abgetrennten Gliedmaßen wieder anzunähen“, erklärt Max Meyer-Marcotty.

„Dies sind zwar sehr aufwendige und langwierige Operationen, aber der Patient ist dankbar über den Erhalt seines Fingers oder der Hand, um diese dann wieder im weiteren Verlauf nach mehrwöchiger Rehabilitation einsetzen zu können, auch wenn eine freie Funktion wie vor der Amputation nur selten zu erwarten ist.“ 

Unfall bei Schreinerarbeiten: Kleinste Gefäße und Nerven annähen

Um kleinste Gefäße und Nerven wieder annähen zu können, ist die Zuhilfenahme eines Operationsmikroskops zwingend notwendig. Dünner als ein Haar ist der Faden, der bei einer solchen Operation zum Einsatz kommt. Die Nadel hat einen Durchmesser vom Bruchteil eines Millimeters. Bei Christiane Hensel-Feldmann, deren Finger in Höhe der Mittelhand amputiert waren, ist die komplizierte Operation gut verlaufen. 

Die Nadeln, mit denen die rekonstruktive Mikrochirurgie arbeitet, sind hauchdünn, die Fäden dünner als ein Haar.

Max Meyer-Marcotty und sein Team sind zuversichtlich, dass sie die Hand wieder gut einsetzen kann. Gegen die Schmerzen hatte sie während ihres Klinikaufenthaltes einen Schmerzkatheder. „Das ist eine super Sache“, sagt sie. Auch mit Blutegeln arbeitete die Klinik, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Sie saugen das Blut ab und verflüssigen das Blut. Überdies enthält ihr Speichel gerinnungshemmende Stoffe. 

Zweieinhalb Wochen nach der OP kann die Gummersbacherin ihre verletzte Hand bereits wieder leicht bewegen. Socken kann sie sich bereits anziehen. „Es sollte gehen, dass sie später wieder zupacken kann“, glaubt der Klinikchef. Nicht in jedem Fall, schränkt er ein, können abgetrennte Gliedmaßen wieder rekonstruiert werden wie nach solch einem glatten Schnitt.

Neue Enthüllungen zum Brandschutz am Klinikum zeigen das ganze Ausmaß des Streits zwischen Stadt Lüdenscheid und Krankenhaus-Betreiber. Im Foyer des Klinikum Lüdenscheid schließt ein Geschäft für immer. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare