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Umzug: Grundschüler müssen quer durch Lüdenscheid - trotz Verkehrschaos

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Von: Thomas Machatzke

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Sechs Menschen vor einer Schule
Erläuterten am Freitag gemeinsam die Lage (von links): Andreas Beckmann (ZGW), Gabi Sonnenschein (stellvertretende Schulleiterin), Matthias Reuver (Fachbereichsleiter Jugend, Bildung und Sport), Christine Schaumann (Schulleiterin), Kerstin Kotziers (Leiterin des Fachdienstes Schule und Sport) und Stadtkämmerer Sven Haarhaus. © Thomas Machatzke

Die Lösenbach-Grundschüler ziehen im Sommer um an die Kaiserallee, müssen trotz Verkehrschaos einmal quer durch die Stadt. Was am alten Standort passiert, ist offen. Auch ein Neubau steht im Raum.

Lüdenscheid – Eine Schule rüstet sich für ihren Zwangsumzug. Am Donnerstag hatte die Stadt Lüdenscheid zunächst das Lehrerkollegium der Grundschule Lösenbach informiert, dann in einer Videorunde die Schulpflegschaft und schließlich alle Eltern: Mit Ende des Schuljahres wird die komplette Lehranstalt den Standort am Buckesfeld aufgeben und in die Albert-Schweitzer-Schule an der Kaiserallee ziehen (wir berichteten). Die Brandschutzmängel im Gebäude, das in den 60er-Jahren gebaut wurde, sind so immens, dass – gepaart mit der OGS-Erweiterung – Baumaßnahmen geplant werden, die sich über Jahre hinziehen werden.

Ob um- und angebaut wird oder die Stadt am Ende gar zu dem Schluss kommt, dass ein Neubau die wirtschaftlichere Lösung ist – Stadtkämmerer Sven Haarhaus hält beide Varianten für denkbar. „Da werden wir die weiteren Untersuchungen abwarten müssen, die im Sommer anstehen, wenn die Schule umgezogen ist“, stellte Haarhaus am Freitagmorgen im Rahmen eines Pressegesprächs fest.

Der Kämmerer erläuterte auch, wie die Mängel erkannt worden waren. Im zweiten Halbjahr hatte die Stadt Lüdenscheid an der GS Lösenbach und weiteren Grundschulen (Parkstraße, Knapper, Adolf Kolping, Tinsberg und Westschule) Untersuchungen für anstehende Baumaßnahmen zur OGS-Erweiterung in Auftrag gegeben. Dabei waren am Buckesfeld die Brandschutzmängel (» Info-Kasten) zu Tage getreten.

Umzug: Grundschüler müssen quer durch Lüdenscheid - trotz Verkehrschaos

„Ad hoc“ seien entsprechende Maßnahmen in den Treppenhäusern eingeleitet worden, die die Schule für die Zeit bis zu den Sommerferien zu einem sicheren Ort für 230 Schülerinnen und Schüler in den neun Klassen gemacht haben. Langfristig indes reiche dies nicht aus.

Also hatte die Stadt nach Alternativen gesucht – immer unter der Prämisse, die Schule im Viertel zu belassen. Doch eine Container-Lösung auf dem Schulgelände wurde schnell wieder verworfen – die geplante Baudauer ist zu lang, der Platz wird für Baufahrzeuge benötigt.

Andere Ideen wie die Unterbringung der Grundschüler in der Richard-Schirrmann-Realschule erwiesen sich ebenfalls als unrealistisch. Zu wenig Platz. Also rückten Leerstände in den Fokus. Die Hermann-Gmeiner-Schule am Dickenberg fiel angesichts der A45-Problematik direkt durchs Raster. So blieb am Ende als Lösung die Albert-Schweitzer-Schule.

Es gibt keine Phantasien, Schulbezirke neu zuzuschneiden. An diesem Standort brauchen wir eine Grundschule. Die sollte für die Zukunft sogar für eine Dreizügigkeit ausgelegt sein.

Matthias Reuver (Fachbereichsleiter Jugend, Bildung und Sport)

In der alten Schule ist noch bis zum Sommer die Volkshochschule untergebracht. Das Schulgebäude bietet ausreichend Platz, hat eine eigene Turnhalle und ist gut erhalten. Der große Nachteil: Es sind sechs Kilometer quer durch die Stadt bis zum neuen Schulstandort. Und dies in Zeiten der A45-Sperrung.

Nun steht die Stadt in Verbindung mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft. Die soll alle Schülerinnen und Schüler der GS Lösenbach täglich vom alten zum neuen Standort bringen. Die Stadt übernimmt die Organisation und die Kosten für den Bustransfer. So ganz müssen sich die Kinder vom Buckesfeld und der Lösenbach aber nicht von ihrem Standort verabschieden: Die Turnhalle und Schwimmhalle der Schule sollen – bis auf kürzere Ausnahmen in der Bauphase – weiter nutzbar bleiben. Gerade das Lehrschwimmbecken ist frisch renoviert. Auch der Vereinssport darf weiter am Buckesfeld auf seine Übungsstunden hoffen.

Dass die GS Lösenbach nach einer Zeit zum alten Standort zurückkehren wird, betont Matthias Reuver, Fachbereichsleiter Jugend, Bildung und Sport der Stadt: „Es gibt keine Phantasien, Schulbezirke neu zuzuschneiden. An diesem Standort brauchen wir eine Grundschule. Die sollte für die Zukunft sogar für eine Dreizügigkeit ausgelegt sein.“

Der Problembereich am Buckesfeld liegt in den Zwischendecken

Ein Stück weit war es ein Zufallstreffer: Bei den Untersuchungen für die OGS-Erweiterung wurden im Herbst die schweren Brandschutzmängel festgestellt. Bereits 2010 waren am Schulgebäude bei der Fassadensanierung und Wärmedämmung Probleme aufgetreten. Seinerzeit hatte man lange über die Baugenehmigung diskutiert und am Ende die Schule mit der Installation einer Brandmeldeanlage abgesichert. „Wir haben damals nicht gedacht, dass die Mängel im Gebäude so drastisch sind“, sagt Andreas Beckmann, Betriebsleiter der ZGW. Er gibt zu, dass hier in den 60er-Jahren fernab der damaligen Brandschutzbestimmungen in den Zwischendecken bessere Lösungen möglich gewesen wären.

Die Schule wurde in den 60er-Jahren im Brockhaus-System gebaut und ist mittels eines Stahl-Skelett-Systems errichtet. Die vierseitige Ummantelung der Stahlstützen des Gebäudes, die den Brandschutz sicherstellt, ist indes nur im sichtbaren Bereich des Gebäudes angebracht. An den nicht sichtbaren Bereichen der Träger (z.B. den Zwischendecken) fehlt die Ummantelung. So könnten sich Rauch und Feuer im Brandfall ausbreiten. In den Fluchtwegen – in erster Linie den Treppenhäusern – wurde die Brandabschottung durch eine neue Ummantelung bereits nachgerüstet und bei einem Rauchversuch überprüft. Das Ergebnis: Die Rettungswege sind nun bei einem Brand sicher abgeschottet.

Das Brockhaus-System beim Bau findet sich in Lüdenscheid nur am Buckesfeld. Alle anderen Schulen sind massiv oder auf einer Stahl-Beton-Grundlage erbaut. So weist kein weiteres Gebäude ähnliche Brandschutzmängel auf.

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