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Umfrage zur Corona-Lage im MK: „Entweder hopp oder top“

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Von: Monika Salzmann

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Familie Pöggeler, Obststand
Familie Pöggeler ist mit 2G und 2G+ bei Veranstaltungen einverstanden. Allerdings sei die Frage offen, wie die Regeln mit Kindern umzusetzen seien. © Jakob Salzmann

Viele Lüdenscheider befürworten die verschärften Corona-Regeln - doch herrscht Unzufriedenheit mit dem Zeitpunkt und der Konsequenz der Umsetzung.

Lüdenscheid – Die vierte Coronawelle hat Deutschland fest im Griff. Der Märkische Kreis ist davon nicht ausgenommen. Auch im Kreis haben die Infektionen deutlich zugenommen. Die Landesregierung und die Bund-Länder-Konferenz haben sich auf schärfere Coronaregeln geeinigt, um die Welle zu brechen und die Krankenhäuser vor einer Überlastung zu bewahren. Von 3G am Arbeitsplatz sowie in Bus und Bahn, 2G im Freizeitbereich, mehr Kontrollen und härteren Strafen bei Zuwiderhandlung ist die Rede. Wir fragten nach, was die Lüdenscheider von den beschlossenen Maßnahmen halten. Kommen sie rechtzeitig oder zu spät? Sind sie übertrieben oder ausreichend, um die Welle zu brechen? Müssten vielleicht sogar noch schärfere Maßnahmen her?

„Die Regeln werden noch verschärft werden“, meint Ortwin Partmann aus Schalksmühle. „In Nordrhein-Westfalen geht es derzeit noch mit den Fallzahlen, aber wenn man nach Bayern, Sachsen und Thüringen schaut, werden Patienten schon nach Norditalien verlegt.“ Die Coronaregeln zu verschärfen, sei das Mindeste, was die Politik habe tun müssen. Im Prinzip sei er für eine Impfpflicht, allerdings seien dann Unruhen und Krawalle vorprogrammiert. „Das sieht man ja in Österreich und Holland.“ Auch wenn eine Impfpflicht vernünftig sei, sei sie nicht durchführbar. Wer sich bisher allen Argumenten verschlossen habe, werde sich auch künftig nicht überzeugen lassen.

„Gut“ findet M. Hahn die verschärften Maßnahmen. „Anders kriegt man das nicht in den Griff. Mir tun nur die leid, die sich nicht impfen lassen dürfen aus Krankheitsgründen.“ Die Impfzentren zu schließen, sei falsch gewesen. „Da hätte man abwarten müssen.“ Gut wäre gewesen, früher zu reagieren. „Ich finde, die Maßnahmen kommen zu spät.“ Schließlich gehe es um eine weltweite Pandemie. „Da muss ich gucken, was Sinn macht.“ Kein Verständnis hat die Lüdenscheiderin für Impfverweigerer, die auf ihrer Selbstverantwortung bestehen, nicht Teil des Systems sein wollen, auf der anderen Seite jedoch alle Annehmlichkeiten des Systems in Anspruch nehmen. „Ich kann das nicht nachvollziehen.“

„Das muss sein, wenn sich nicht alle anstecken sollen“, antwortet Herbert Gundlach von Blumen Gundlach auf die Frage, wie er die beschlossenen Maßnahmen findet. „Anders geht das nicht.“ 90 Prozent der Coronakranken auf den Intensivstationen seien nicht geimpft. „Das ist nicht gelogen.“ Er hofft, dass die Geschäfte nicht wieder schließen müssen. „Das wäre eine Katastrophe.“ Mutter Ingrid pflichtet ihm bei: „Was werden wird, das wissen wir nicht.“

Dass die Maßnahmen spät kommen, findet Heike Jungkeit. Die Wissenschaftler hätten schon lange gewarnt. „Ich wäre sogar bereit, wieder Einschränkungen in stärkerem Maß hinzunehmen.“ Nicht recht vorstellen kann sich die Lüdenscheiderin allerdings, wie man 3G in Verkehrsmitteln umsetzen soll. Auch dass die Wirte nun noch strenger kontrollieren und auf die Einhaltung von 2G achten müssen, sei viel verlangt.

Von einem Kollektivversagen der Politik quer durch alle Parteien spricht Hans-Jürgen Badziura, wenn er von der Coronalage spricht. Wie Ehefrau Ulrike ist er enttäuscht von der Politik. In Spanien beispielsweise sei das alles viel besser organisiert. Zwar würden über 70-Jährige hierzulande von der Landesregierung angeschrieben, sich boostern zu lassen. „Aber wo sollen sie sich denn boostern lassen?“ Null Verständnis hat das Ehepaar für Impfverweigerer. „Die kosten uns Geld und die Freiheit.“ Epidemiologen würden seit dem Sommer predigen, dass wir den Vorsprung nicht verspielen dürfen.

„Es hätte schon früher gebremst werden müssen“, ist Josef Diril vom Obst- und Gemüsestand der Familie Diril der festen Ansicht. Veranstaltungen wie der Karneval hätten seiner Meinung nach nicht stattfinden dürfen. Auch was volle Fußballstadien angeht, ist der Markthändler skeptisch. „Statt 50 000 Zuschauer vielleicht 10 000, auf alle Fälle so wenig wie möglich.“

„Wir haben jetzt zwei Jahre Corona. Dass wir es immer noch nicht schaffen, damit umzugehen“, findet Franziska Janßen aus Wipperfürth schwierig. „Irgendwie muss man versuchen, damit zu leben.“ Was das Impfen angeht, ist sie „sehr tolerant.“ „Das muss jeder für sich entscheiden.“ Ärgerlich findet sie, dass die Coronaregeln von Bundesland zu Bundesland anders sind. Konsequent findet sie Söders Handeln in Bayern. „Entweder hopp oder top.“ Nicht wie hier, wo die einen Weihnachtsmärkte absagen, andere nicht. Regeln seien wichtig.

Einverstanden mit 2G, auch 2G+ bei Veranstaltungen ist Familie Pöggeler. Das biete einen gewissen Schutz. Einen Lockdown sollte es allerdings nicht mehr geben. Im Blick hat die Familie die Kinder. „Nicht jedes Kind darf sich impfen lassen, auch von den Eltern aus. Das ist ein zweischneidiges Schwert.“ Um eine Impfpflicht einzuführen, sei es zu früh.

„2G schwirrt in den Köpfen“, weiß Weihnachtsmarktbetreiber Alexander Langhoff. „Über die genaue Umsetzung gibt es aber noch nichts.“ Was er weiß, ist: „Es wird nicht sein, wie es war, aber auch nicht, wie es geplant war.“ Ob 2G dann auch im Freien gilt oder nur im Inneren der Glühweinstände und an der Eisbahn beim Zutritt zum Schlittschuhbereich, konnte er am Samstag noch nicht sagen. Denkbare Alternative könnte für ihn eine Maskenpflicht im Marktbereich und an der Eisbahn sein.

„Irgendetwas musste gemacht werden“, ist er überzeugt. „Es kommt jetzt auf die Umsetzung an.“ Mit großen Umsatzeinbußen rechnet er durch 2G nicht. „Das kriegen wir hin“, meint auch Thomas Jacob vom Glühweinstand. „Alles ist besser als zumachen.“ Bei ihm gilt „nur noch mit 2G“. „Für alles gibt es eine praktikable Lösung.“ Eine davon ist ein neuer, vergrößerter Außenbereich.

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