Umfrage: Jugendliche stehen zu den Griechen

LÜDENSCHEID - Mit einem Mikrofon ausgerüstet begibt sich Julian Weissbach in die Lüdenscheider Innenstadt. Der 21-jährige Schauspielstudent, im Internet unter FuNPeXeL für zahlreiche lustige Umfragen bekannt, ist für unsere Redaktion unterwegs und hat ein klares Ziel vor Augen: Er will herausfinden, ob junge Menschen wissen, dass das Land von Sirtaki, Gyros und Eule derzeit mit schweren finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Und dass das auch Auswirkungen auf Deutschland hat.

Von Jana Peuckert

Die ersten „Opfer“ lassen nicht lange auf sich warten. Mit lässigem Gang kommen Mirko, Tony, Christian und Vinzent die Fußgängerzone entlang. Blitzschnell stürmt Julian auf das Quartett zu, und hält ihnen sein Mikro unter die Nase. Bereitwillig äußern sich die Jungs zum Thema: „Als ich gehört habe, dass sie Geld gelagert haben, habe ich gedacht, selbst Schuld“, wirft Christian spontan ein. Julian hakt nach: „Sollte man sie aus der EU rausschmeißen?“ Das stößt bei den Jungs nicht auf Zustimmung. „Rausschmeißen kann man sie nicht. Sie gehören ja dazu. Einer für alle und alle für Einen“, findet Tony.

Dieser Meinung ist auch Nihal Eydir. Während Chihuahuadame „Gucci“ auf dem Arm der symphatischen Türkin fröhlich hechelnd ihre kleinen Öhrchen vom Kopf spreizt, erklärt Frauchen, warum die Griechen auf keinen Fall aus der EU geworfen werden dürfen. Schließlich gehe es dabei ja um Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung: „Das war von Anfang an so ausgemacht. Es ist Sinn der EU. Das hat man so vereinbart, und da muss man jetzt eben durch.“ Dass es Griechenland so schlecht geht, sei Schicksal. Manches könne eben nicht verhindert werden. So wie auch Kriege und Naturkatastrophen. Sie selbst habe auch schon Schulden gehabt. „Und wie sind Sie da wieder herausgekommen?“ fragt Julian nach. „Ganz einfach, ein bisschen vorsichtiger Geld ausgeben.“

Einen guten Rat hat auch Jessica Schreider parat: „Eine bessere Arbeit suchen“, lautet ihr Vorschlag an die Griechen. Knallhart kommt die Ansage von Ioannis Triteos daher: „Es muss jetzt ein hartes Sparprogramm für die Griechen geben“, so der 13-Jährige, der selbst aus dem Nordosten Griechenlands stammt. Für Tasso Manolis, Sohn griechischstämmiger Eltern, ist der Fall ganz klar: „Das Ausschlaggebensde, was die machen ist Steuerhinterziehung. Ich kann die Ansicht der anderen Länder nachvollziehen. Von Anfang an hätte es mehr Kontrollen für die Politiker geben müssen. Der Mensch denkt immer an sein eigenes Wohl, das ist leider so. Überall gibt es schwarze Schafe.“ Sein Freund Kevin hat nicht so viel zu dem Thema zu sagen. „Wodurch sparen die Griechen?“, will Julian vom 18-Jährigen wissen. Der spielt den Ball geschickt seinem Kompagnon zu: „Wodurch sparen die Griechen Tasso?“ Die Antwort folgt prompt: „Durch Aufstufung des Rentenalters, Kürzung der Gehälter und Steuererhebung.“ „Ja genau“, stimmt Kumpel Kevin als Bestätigung zu.

Gemütlich schlendern Mutter Christiane und Tochter Jacqueline Dohle durch die Innenstadt Lüdenscheids. Zum Thema Griechenland fällt auch ihnen was ein: „Ich kann auch die jungen Leute verstehen, die nichts dazu können, dass es so ist“, so Mutter Christiane. Aber: „Es ist auch eine Gemeinschaft. Alle für Einen – wie in einer Familie.“

Leonie Berghoff und Kim Hoffmann erwischt es vor der Pommesbude. „Warum esst ihr kein Gyros, um die Griechen zu unterstützen?“ wirft Julian den beiden Mädchen entgegen. Die gucken sich kurz an: „Weil es hier keinen Laden in der Nähe gibt“, findet Kim als Erste ihre Sprache wieder. Und was meinen die Mädels zur Finanzkrise in Griechenland? Sie zeigen sich verständnisvoll: „Jeder kann ja mal pleitegehen“, meint Kim, und findet auch die Hilfe Deutschlands in Ordnung. Freundin Leonie ergänzt: „Wenn Deutschland mal Pleite macht, kriegen wir ja auch Unterstützung.“ Also auch an der Stelle einmal mehr der Grundsatz: „Einer für alle und alle für Einen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare