Zwei-Klassen-Gesellschaft befürchtet

Umfrage im MK: Sollen Geimpfte mehr dürfen als andere?

In den Arztpraxen wird zurzeit nur der Biontech-Impfstoff eingesetzt.
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Sollen Geimpfte mehr dürfen als andere?

Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel soll es beim Impfen ab Juni keine Priorisierung mehr geben. Das bedeutet: Jeder, der geimpft werden will, kann sich dann um einen Termin bemühen. Außerdem kündigte Merkel an, dass Geimpfte in einem ersten Schritt bei bestimmten Dingen nicht mehr einen negativen Coronatest vorlegen müssen, sondern sie bei Vorlage des Impfpasses davon dann befreit sind.

Unsere Redaktion fragte bei Lüdenscheidern verschiedener Berufs- und Sportgruppen nach, was sie von diesen Vorschlägen halten.

Michael Dregger (Vorstandssprecher, Rot Weiß Lüdenscheid): „Ich begrüße und befürworte jede geeignete und auch umsetzbare Maßnahme zu diesem Thema. Inwieweit diese Ideen derzeit jedoch umsetzbar sind, kann ich momentan nicht beurteilen. Hier ist sicherlich ein hohes Maß an Kreativität von allen beteiligten Personen erforderlich.“

Brigitte Klein (Vorstand Turbo-Schnecken): „Die Persönlichkeitsrechte sind im Grundgesetz verankert. Solange nicht allen „Impfwilligen“ eine Impfung ermöglicht wird, sehe ich einen Konflikt mit den Grundrechten. Wichtiger erscheint mir, dass die Rehatrainer geimpft werden, damit wir für die Rehasportler mit dem für sie notwendigen Gesundheitssport anfangen können.“

Sebastian Wagemeyer (Bürgermeister): „Zu der Frage, ob vollständig Geimpfte mehr Rechte bekommen sollen, wollte sich Bürgermeister Sebastian Wagemeyer (SPD) am Dienstag nicht äußern. Einerseits seien Details noch nicht festgelegt, andererseits falle dies nicht in den Aufgabenbereich der Stadt, sagte Stadtpressesprecherin Marit Schulte.“

Der Lüdenscheider Bürgermeister Sebastian Wagemeyer wollte sich zu dieser Thematik nicht äußern.

Matthias Czech (Verein Willi & Söhne): „In Anbetracht der aktuellen Stimmungslage erachte ich es als gefährlich, eine temporäre Zwei-Klassen-Gesellschaft zu schaffen. Es sollte niemals mehr oder weniger Rechte für Menschen geben, die mehr oder weniger Antikörper besitzen. Das spaltet die Gesellschaft auf den Metern Richtung Ziel. Zusammenhalt und Respekt sind wesentliche Werte.“

Frank Zacharias (Vorstand Baskets Lüdenscheid): „Ich würde mich dafür aussprechen, dass die Geimpften mehr Freiheiten erhalten. Das gilt allerdings erst dann, wenn allen Leuten ein Impfangebot gemacht wird. Ansonsten würde diese Maßnahme zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen: Aber mit der Aussicht auf mehr Freiheit könnte auch ein Anreiz geschaffen werden, sich impfen zu lassen.“

Ich finde es gar nicht gut, dass die Geimpften bevorzugt behandelt werden sollen.

Birgit Uhlenbruch (Verkäuferin)

Birgit Uhlenbruch (Verkäuferin): „Ich finde es gar nicht gut, dass die Geimpften bevorzugt behandelt werden sollen. Ich bin mir sicher, dass es zu großem Stress und Krawallen führen würde, weil sich alle Nicht-Geimpften ungerecht behandelt fühlen und beispielsweise nicht in den Urlaub fliegen dürfen oder nicht in das Restaurant gehen können wie die bereits Geimpften.“

Simone Geier (Geschäftsführerin Fleischerei Geier): „Ich würde mir wünschen, wenn die Leute so schnell wie möglich geimpft werden. Aber für die kleinen und mittelständischen Unternehmen wären mehr Rechte für die bislang Geimpften ein Anfang zurück zur Normalität. Wir brauchen den Startschuss, und sei es zunächst nur auf kleineren Feiern.“

Rainer Gremmels (Pfarrer Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg): „Der Gedankengang ist ja, dass die geimpften Personen keine Sonderprivilegien erhalten, sondern einen Teil ihrer Grundrechte zurückerlangen. Deswegen bin ich klar dafür, dass die Geimpften diese Möglichkeit erhalten. Natürlich muss die Bedingung dafür sein, dass sie wirklich kein gesundheitliches Risiko darstellen.“

Es muss ja der Normalzustand sein, dass Geimpfte mit vollständigem Impfschutz und einer dementsprechenden Einwirkzeit wieder mehr Freiheiten erlangen.

Jens Holzrichter (Fraktionsvorsitzender FDP)

Jens Holzrichter (Fraktionsvorsitzender FDP): „Ich bin dafür, dass die Geimpften ihre Rechte zurückerlangen. Es muss ja der Normalzustand sein, dass Geimpfte mit vollständigem Impfschutz und einer dementsprechenden Einwirkzeit wieder mehr Freiheiten erlangen. Allerdings sollte für die Geimpften nicht direkt die Maskenpflicht ausgesetzt werden. Das würde nur zu Verwirrung führen.“

Olga Malsam (Besitzerin Friseursalon „Haarschliff“): „Diese Maßnahme würde dazu führen, dass es zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt. Es wäre eine indirekte Impfpflicht. Denn nur, wenn man sich impfen lässt, würde man von den Lockerungen profitieren können. Ansonsten wird man in eine Ecke gedrängt. Ich werde bis zum bitteren Ende warten, bis ich mich impfen lasse.“

Diese Maßnahme würde dazu führen, dass es zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft kommt. Es wäre eine indirekte Impfpflicht. 

Olga Malsam (Besitzerin Friseursalon „Haarschliff“)

Ronja Eick (Geschäftsführerin Szenario Fashion & Lifestyle): „Geimpfte sollten definitiv wieder mehr Vorteile genießen dürfen. Auf was sollen wir sonst noch warten, wenn nicht zumindest die Geimpften sich wieder freier bewegen dürfen und auch wieder in die Geschäfte können, um einzukaufen. Wir Einzelhändler warten auf diesen Schritt und sind zu allem bereit.“

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas.

Gordan Dudas (Landtagsabgeordneter (SPD)): „So sehr ich die Diskussion über Lockerungen für geimpfte Personen nachvollziehen kann, so kommt die Debatte zur Unzeit und hat das Potenzial zur gesellschaftlichen Sprengkraft. Denn wir befinden uns leider noch immer in der Situation, dass sich eben nicht jede oder jeder Impfwillige auch tatsächlich impfen lassen kann.“

Torsten Schulze (Geschäftsführer Phänomenta): „Ich habe eine zweigeteilte Meinung zu diesem Thema. Als Privatperson muss ich sagen, dass ich diesen Schritt als den richtigen ansehen würde. In Bezug auf die Phänomenta muss ich sagen, dass diese Lockerung zu einer erheblichen Mehrarbeit führen würde, was die Überprüfbarkeit der einzelnen Personen angeht. Da kommen wir an unsere Grenzen.“

Karin Roth-Muth (Rentnerin): „Ich bin noch nicht geimpft, auch wenn ich mich bereits für eine Impfung hätte anmelden können. Ich bin einfach misstrauisch. Ich würde es als falsch und ungerecht empfinden, wenn man bereits Geimpften gewisse Zugeständnisse machen würde, die den nicht Geimpften nicht vergönnt sind. Es wird derzeit einfach zu viel geredet.“

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